Bild

Ich habe ein Bild gemalt.

Nein, nicht dieses da oben. Ein anderes.

Ich habe drei Monate daran gearbeitet.
Nun ist es fertig, glaube ich. Ich schaue es immer wieder an und schon finde ich etwas, was ich noch verbessern oder verändern möchte.

Ja, dieses andere Bild ist nicht schön, sage ich, aber kraftvoll, sagen die Leute, die es gesehen haben. Es strahle Wärme aus, sehr speziell, die Frau da drauf, die hat einen Flügel als Arm? Malst du gerne in Symbolen? Ist das sprituell gemeint? Was sind das für Farben, die du da verwendest? Ist das nicht kompliziert? Sind das meine Fragen oder die der Betrachtenden?

Ich schaue in den Spiegel.
Ich sehe eine Frau, ich will es wissen.
Sie ist nicht mehr jung, sie ist im reifen, vollen Alter.
Sie strahlt Wärme aus und sie hat ……..
Kann das sein?
….. sie hat…. ein Arm ist…. nein, ich schaue meine Arme an, es sind einfach Arme, aber im Spiegel …..
Ich schaue genau hin, ich will es sehen.
Der linke Arm ist ein Flügel!
Sehr speziell, sage ich nur. Ich träume wohl und bleibe lange einfach stehen und schaue und staune und schaue und staune und schaue und ……

Da gibt es nichts zu verändern.
Das Gesicht erzählt vom Übergang in eine neue Zeit. Voller Kraft und Erntedank.
Der Körper steht ruhevoll da, aber das täuscht. Er ist bewegt von den erlebten Zeiten und er ruft nach Aufbruch, nach Tanzen, nach Fliegen, nach Freisein!
Einen Flügel habe ich ja schon, der zweite wird wohl auch wachsen im Laufe der Jahre in mein reifes Alter.

Da beginnt die Frau im Spiegel zu strahlen.
Sie erkennt ihre Kraft. Sturmerprobt und liebesbewusst. Sie weiss um das Träumen in ihr und die Farben und Melodien, in denen es sich zeigt.

Ich schliesse die Augen, beginne leise und unsicher, dann immer lauter Laute zu singen und mich zu drehen. Mein Herz schlägt laut.

Ich habe zwei Arme und keine Flügel.
Das Titelbild hat nichts mit meiner Erzählung zu tun. Oder doch?

Es ist nicht gefällig, sage ich, er strahlt Wärme aus, sagen die Leute.

Ob er Flügel hat?

Einsame Wölfin

Ist die Zeit der einsamen Wölfin, die durch ihr Leben streift, vorbei?

All die Fragen, die um den Sinn des Lebens kreisen, um die Bewältigung des Alltags, diese ewigen Beziehungsfragen, ist es Zeit, mit ihnen Frieden zu schliessen?

Ach ja, es gibt Millionen von Ratgebern, Therapien und Möglichkeiten sich selber auf die Spur zu kommen.
Ein Aha! da, ein verständnisvolles Nicken dort, ein Umstellen der Lebensgewohnheiten und man wird zum wandelnden Widerspruch.

Neindochnein, sagte eines meiner Kinder einmal, als es galt, sich für etwas zu entschliessen.

Neindochnein! Und mit einem Satz in die Freiheit springen, wo man wieder im eigenen Rhythmus stöbernd durchs Leben streifen kann.
Nur schon die Vorstellung, ungestört mich selber Sein, verleiht mir Flügel!

Da sind die Widersprüche auf einmal logische Spuren durch das Sein. Ich bin mit mir allein und gehe meiner Nase nach. Je länger ich das tue, desto ausgeprägter wird mein Spürsinn.
Ich nehme die Einladungen zum Verweilen gerne an, denn ich spüre ganz genau, ob ich mich da wohl fühle oder, ob es schlauer ist, schnell weiter zu ziehen.

Ja, als einsame Wölfin habe ich meine Sinne aufs Feinste eingestimmt und ein gelegentliches lautes Aufheulen auf freier Wildbahn ist Ausdruck von Freude und innerem Frieden. Ein Jauchzen eben!

Aber ist diese Zeit nun vorbei?
Ich frage mich das, weil ich das Gefühl habe, dass es vielleicht wichtig ist, jetzt, genau jetzt in dieser Zeit nicht mehr nur allein in diese Jauchzer einzustimmen. Wäre es nicht gerade jetzt wichtig, mit geschärften Sinnen und klopfendem Herzen aufeinander zuzugehen, und uns in unser Leben einzuladen und schauen, ob es uns mit uns wohl ist?

Wäre es nicht genau jetzt, in dieser Zeit, wichtig zu entdecken, wie sich das Jauchzen der Anderen anfühlt und darüber staunen? Den Mut aufbringen mitzuheulen, in der eigenen Sprache und laut darüber lachen, weil es ganz wundervoll schrecklich klingt?

Macht das nicht wieder andere aufmerksam und sie können sich nicht mehr halten, vergessen ihre Konditionierungen und heulen frech und munter mit? Es macht Spass, weil alle so tönen dürfen, wie sie sind! Tief aus ihrem Herzen heraus!

Wenn ich als einsame Wölfin merke, dass da lauter einsame Wölfinnen und Wölfe sind und alle einander ausweichen, weil sie glauben nur allein den Roten Faden zum Glück zu finden, schaffe ich es dann, meine Scheu abzulegen und meine Wildheit mit ihnen zu leben, weil ich sie in allen andern auch entdecke?

Ja!

Es ist Zeit, das Eigensinnige in jedem von uns zu feiern, miteinander auf die Pirsch zu gehen, gemeinsam laut aufzuheulen und sich über den Lebensfunken in den Augen der anderen freuen.

Feiern?

Ja, feiern, immer und immer wieder, auch wenn wir getrennt sind! Ein Miteinander kennt keine Grenzen…..

……. ach, diese Widersprüche!

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Es ist die Zeit zwischen den Zeiten.

Die kleine Pause zwischen dem Ein- und Ausatmen.

Eine kleine gefüllte Leere, die ich geniesse.

Das Erlebte schwirrt noch so im Gestern herum, das Morgen liegt unbekannt vor meinen Füssen.

Und jetzt?

Soll ich schimpfen oder mich freuen? Mir ist nach beidem nicht zu Mute. Pause eben.

Den Hut über die Augen ziehen und genüsslich wegträumen.
Den Hut über die Ohren ziehen, damit sie warm bleiben, wenn ich durch die kalte Winterzeit stapfe.
Den Hut lüften, wenn die Sonne sich an diesen kurzen Tagen zeigt und ich alles Licht gierig in mich aufnehme.
Den Hut auf die Ablage legen, weil alles seine Ordnung braucht.
Ich nehme den Hut und verabschiede mich vom alten Jahr voller Dankbarkeit über all das Schöne und schmerzlich Ungewollte, das ich erleben und lernen durfte.

Aber jeeeeetzt kommt das Schönste!

Ich ziehe den Hut mit freudig hüpfendem Herzen vor drei mutigen Menschen und rufe so laut ich kann DANKE!!!

Anita, Hugo und Inge schenken uns ein Stück ihres Herzens. Schaut, lauscht, lest hin!

Anita: Verbunden



Hugo: Foto und Blues



Dieses Bild hat ein leeres alt-Attribut; sein Dateiname ist bildschirmfoto-2020-12-28-um-15.49.36.png.



Ein Gedicht von Inge

Im Nebel
Auf einem nackten Baum eine Krähe.
Ihr Schreien hat etwas Magisches in der Stille des Tages.
Der Vogel sieht mächtig aus in der Kulisse aus filigranen Ästen.
Lange sitzt er da, bewegt sich kaum.
Mein Atmen geht mit dieser Stille, durchzieht meinen Körper.
Ich bleibe stehen und finde Stille in mir.
Schwarz und Weiss – Licht und Schatten – Leere und Fülle. Leben und Sterben
.
Gegensätze, die sich mit einem Schrei auflösen.

Herzenskraft teilen, um verbunden zu sein.
Herzenskraft teilen und noch mehr bekommen.
Herzenskraft teilen und sich nicht alleine fühlen.
Herzenskraft füllt die Pausen zwischen den Zeiten.
Herzenskraft teilen schenkt Freude und Erfüllung!

Ich wünsche mir, dass Herzenskraft teilen irgenwann keinen Mut mehr braucht, weil so etwas Schönes das Normalste auf der Welt ist.