Ich brauche eine Medizin

Ich brauche eine Medizin für oder gegen etwas?

Also, ich brauche eine Medizin, sagte die Frau und machte sich auf den Weg. Sie hatte sich warm angezogen, man weiss nie, was unterwegs alles passieren kann. Ja, auch den letzten Apfel aus dem Keller packte sie in eine Tasche. Dazu noch ein paar Nüsse, zwei Brötchen und eine Flasche verdünnten Holundersirup, vom roten, den vom Spätsommer.

Munter schritt sie voran und hielt dabei Ausschau nach jemandem, die oder der ihr eine Medizin geben könnte.

Seit längerer Zeit litt sie an Rückenschmerzen, auch war ihr oft schwindlig und ihre Träume waren immer mal wieder haarsträubend. Das konnte so nicht weitergehen, sie wollte wieder ihr ruhiges Leben zurück, wo alles seine Ordnung hatte.

Obwohl, wenn sie ehrlich war, gab es diese Zeiten gar nie. Immer war irgendetwas los, worum sie kämpfen oder wo sie Ordnung schaffen musste. Genau, auch dagegen wollte sie eine Medizin. Gegen Unordnung und für mehr Harmonie. Gab es das überhaupt? Egal, sie wollte jetzt einfach eine Medizin gegen all das, was ihr Leben im Moment erschwerte.

Sie begegnete vielen Leuten und jedes Mal schaute sie sie hoffnungsvoll an, aber niemand gab sich als Medizinfrau oder Medizinmann zu erkennen. Im Gegenteil, wenn sie mit ihnen sprach, wurde sie manchmal nur noch verwirrter oder sie ärgerte sich gar, so dass sie missmutig weiterstapfte. Sie fragte auch die Tiere und Pflanzen, aber die gaben ihr so unklare Antworten, die sie oft nicht verstand.

Je länger die Reise dauerte, desto unzufriedener wurde die Frau. Einmal, es wurde so langsam dunkel, da sah sie eine alte Frau auf einem Stein sitzen. Langsam kam sie näher, doch die alte Frau hob den Blick nicht. Erst als die Frau vor ihr stand, schaute sie langsam auf, schaute ihr in die Augen und sagte, da bist du ja.

Jetzt machte die Frau grosse Augen und sie fragte die alte Frau, kennst du mich? Ja! Schon immer. Wer bist du? Ich bin Du! Was, nein! Das kann nicht sein! Ich kenne dich nicht! Oh doch. Schau mich genau an. Sehe ich nicht aus, wie jemand, die ein Leben lang da draussen herumgesucht hat, um die eigene Unzufriedenheit zu heilen?

Das war die Höhe, fand die Frau, und ging grusslos weiter. Sie war richtig wütend. Die ist ja so frech! Die hat doch keine Ahnung! Und überhaupt ist das doch gar nicht möglich, woher weiss die das alles? Sie stapfte weiter und weiter und schüttelte dabei den Kopf. Diese alte Frau sah so griesgrämig aus, die kann unmöglich ich sein!

Auf einmal blieb sie stehen, sie wollte mit dieser alten Frau nochmal reden. Sie suchte den Weg zurück, aber sie fand den Weg nicht mehr. Immer wieder, wenn sie dachte, dass sie die Stelle findet, wo die alte Frau gesessen hat, war es ein Irrtum.

Unterdessen war es dunkel geworden. Sie legte sich in die Wurzeln einer grossen dicken alten Eiche und weinte, bis sie einschlief. Und nun war sie froh, um ihre warmen Kleider. Sie träumte, sie liege im Wasser und könne gleichzeitig fliegen. Sie konnte das Wasser verstehen, wie es sprach und liebte die Berührung der Wolken. Sie nahm den Respekt, den die Vögel ihr zeigten staunend entgegen und erkannte gleichzeitig, dass die Fische gar nicht stumm waren. Sie hatte das Gefühl, dass die Pflanzenwelt sie nährten und die Erde, auf der sie lebte, ihr ein unbeschreiblich schönes Zuhause schenkte.

Als sie aus diesem Traum aufwachte, kramte sie ihre Nüsse hervor und legte sie für die Tiere an die Wurzeln der Eiche, wo sie eben geträumt hatte. Sie nahm den Apfel mit einem Danke! an ihr Herz und legte ihn ebenfalls ins Gras, nachdem sie einen Bissen davon genommen hatte. Dann trank sie den Holundersaft bis zur Hälfte leer und verschenkte auch diesen der Erde. Die Brötchen hatte sie unterwegs schon gegessen, darum konnte sie sie nicht mehr teilen.

Dann machte sie sich durch die Dunkelheit auf den Heimweg. Mühelos fand sie den Stein, auf dem die alte Frau gesessen hatte. Sie setzte sich selber darauf und wartete…….

…….nicht auf die alte Frau.

Seitdem sie aufgewacht war, wusste sie, dass sie die Medizin gefunden hatte, denn da regte sich tief in ihr drin ein Funke. Sie wartete, bis dieser ihr ein wissendes Lächeln in ihr Gesicht zauberte, auf dass es sie nach und nach ganz erfasse.

Und das trägt sie noch heute, denn sie sucht nicht mehr etwas im Aussen. Sie weiss jetzt, wo sie findet. Du auch?

Und jetzt fand die Frau wie von Zauberhand Medizinfauen- und männer, auch Pflanzen und Tiere wurden heilsame Begleiter……..


Es wollte auch in diesem Monat wieder ein Geschichtenmärchen werden. Manchmal habe ich es einfach nicht im Griff….. der Funke in mir übernimmt das Schreiben.

Wie sage ich immer? Annehmen, was ist, und loslassen. Genau darum geht es auch im Telefongespräch mit Ljiljana. Wir sprechen über eine besondere Medizin: Das Fasten…..ein Klick auf den Link und du kannst uns zuhören. Das ist ein mega spannendes Gespräch geworden!

https://iriswangler.ch/videos/Tel-mit-Ljiljana-Mar25.mp4

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Ich danke dir für dein Hiersein und grüsse Dich von Herzen fest!

Iris, die Geschichten-Medizin-Frau 😉

http://weltenwind.ch

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Die Kraft der Zartheit

Nebel steigt langsam aus dem Tal, so als würde er sich von Baum zu Baum den Berg hinauf hangeln. Er taucht alle schroffen Kanten in weiche Linien. Zartheit breitet sich aus.

Alles ist milchig weiss, nur noch die zarten Verläufe der Äste bewegen sich vor meiner Nase. Die Bäume werden lebendig. Es sind Wesenheiten, die nicht mehr ruhig und gelassen dastehen. Je länger ich sie betrachte, desto lebendiger werden sie. Die Zartheit des Nebels hüllt sie ein und ihr ureigener Ausdruck nimmt die Gelegenheit wahr, sich zu zeigen.

Die Bewegungen sind langsam und fliessend. Raum und Zeit verschwinden, sie wirken so frei!

Da neigt sich die Eiche mit ihren starken, verwinkelten Armen sanft zu der noch jungen Kastanie, deren Finger schnurgerade in den Himmel zeigen. Und da beginnt der Tanz. Zart berühren sie einander und flüstern sich geheime Worte zu. Diese Klarheit in ihren Bewegungen, diese Eleganz, dieser Frieden des Miteinanders, es ist eine einzige Einladung, mich ihnen anzuschliessen.

Mit meinen Händen und Armen, ja mit meinem ganzen Körper versuche ich ihren Linien zu folgen, ganz leise, ganz achtsam, der Baummelodie folgend. Ich verspüre den Wunsch wie sie zu sein. So sicher in dem, was sie tun, so verankert in ihrem Sein. Zweifeln sie denn niemals?

Wie schaffen sie es ihre Liebe, ihr Leben ganz und gar dem Sein zu widmen?

Sie lassen Wind und Wetter einfach zu. Ich sehe ihnen an, wie ihre Äste sich genau deswegen unaufhaltsam einen Weg in ihr Wachstum suchen. Ich staune über diese Schönheit und lasse mich von ihr mitnehmen. Da! Ich spüre ein Pulsieren in diesen lebendigen Wesen….ja, ich bin ganz sicher! Mit aller Kraft und Zartheit wollen Knospen einen Weg ans Licht finden. Diese Kraft und Unbeirrbarkeit!

Ich werde still. Ich nehme meine Astarme nah zu mir. Spüre den Lebenslinien nach, die mich in den letzten Jahren berührt haben. Bin ich ihnen mit Zartheit, Wohlwollen und Achtsamkeit begegnet? Mein Herz erinnert sich an wunderschöne, berührende Begegnungen. Aber auch an verbissenes Kämpfen, an Misstrauen und Ablehnung.

Der Winter geht bald zu Ende und der Frühling steht vor der Türe. Es ist genau die richtige Zeit, Abschied von den letzten verrückten Jahren zu nehmen. Ich wünsche mir, dass ich es schaffe, mit jedem Frühling, den ich erlebe mit Verständnis, Liebe und Annahme darauf zurückzuschauen.

Aber jetzt lasse ich mich erstmal von der Zartheit des Nebels einhüllen, auf dass ich wieder den Mut finde mich in meinem Sein zu finden und mich endlich frei zu bewegen.

Was kitzelt mich da in meinen Händen? Kann es sein, dass sich da mutigzart die ersten Knospen melden?

Bald gibt es auf http://weltenwind.ch neue Kurse, schau nach, vielleicht hat es auch etwas für dich dabei?

Der erste Frühling kommt!

Ich grüsse dich mit der Kraft der Zartheit

Iris