Erkennst du mich?

Erkennst du mich? fragte sie den Bären, der vor ihr stand.

Er war gross, ja riesig und war gerade dabei Beeren von einem Strauch zu kämmen. Dabei benutzte er seine Krallen, die gefährlich aus seiner Tatze ragten. Er schmatzte genüsslich vor sich hin, als könne er keiner Fliege etwas zu Leide tun. Jetzt setzte er sich aufrecht auf den Boden und sah noch menschlicher aus. Dann sah er zu dieser eigenwilligen Frau, die ihm schon mehrmals Fragen zugerufen hatte.

Er sass einfach da und schaute und schaute. Je länger es dauerte, umso unruhiger wurde die Frau.

Soll ich besser wegrennen, solange ich noch kann, oder soll ich den langersehnten Moment ausnützen und endlich mit dieser Urkraft reden?

Nun waren sie beide da am Waldrand und schauten sich an. Die eine aufgeregt mit pochendem Herzen und der andere still und unbekümmert vor sich hin schmatzend. Sonst war es ruhig, nur das Zirpen des Sommers erfüllte die Luft.

Wie lange soll ich hier noch stehen? Was soll ich noch alles tun, damit er mir antwortet?

Sie wagte es ein letztes Mal. Erkennst du mich? Weißt du, wer ich bin? Die Stimme zitterte, weil die Frau von Moment zu Moment unsicherer wurde.

Der grosse Bär aber blieb ruhig und schaute nur. Er leckte seine Schnauze, denn die Beeren waren vertilgt. Ein zufriedenes Knurren liess er von sich rollen, dann legte er sich hin, nahm den Kopf zwischen die Pfoten und blinzelte der unruhigen Frau zu.  Diese setzte sich nun in einem Schneidersitz an den Rand der hohen, nach Grasblumen riechenden Sommerwiese.

Dass der Bär so entspannt war, machte sie sicherer und sie dachte vorlaut: Soll er mich doch fressen, wenn er will. Das macht mir üüüberhaupt nichts aus. Ich frage mich schon mein ganzes, langes Leben, wer ich denn wirklich bin. Jetzt kommt es auch nicht mehr darauf an, sollte ich auf der Suche nach dieser Antwort sterben.

Sie stützte die Ellenbogen auf die Knie und legte den Kopf in ihre Hände und nahm die Herausforderung, einander in die Augen zu schauen, an. Keine Worte, nur da sein, lauschen und ……

Es wurde immer stiller und stiller und die Frau hörte nun nicht einmal mehr die Umgebung, so sehr war sie von dieser Bärenkraft eingenommen. Nur einmal kam eine leise Furcht hoch, die sie fast in die Flucht schlug, aber ihre Frage war stärker und darum blieb sie sitzen, in einem guten Abstand zu dem Bären.

Wieder liess er ein Knurren los, dieses aber war anders, fordernd, wie sein Blick und es traf die Frau mitten im Herz. Da war kein gemütliches Blinzeln mehr, da war eine Anspannung in der Luft. Eine neue Unruhe erfasste sie und es schrie in ihr: Lauf! Hastig stand sie auf und lief um ihr Leben in die Sommerwiese hinein. Hinter sich hörte sie das Rascheln des Grases und ein Schnaufen, dessen Rhythmus nur von einem schweren Vierbeiner sein konnte….. tadam, tadam, tadam, tadammmm….

Was bin ich doch für eine naive, alte, sture Frau! Habe ich wirklich geglaubt, dass eine Begegnung mit dem Bären so easy peasy wäre? Aber loslaufen kann ich noch, denn das habe ich mein Leben lang geübt. Davonrennen, wenn’s brenzlig wird, das ist mein Ding. Nicht aber mich der Gefahr des Ausgestossenwerdens aussetzen oder mich einer unbequemen Wahrheit stellen, es könnte mich ja das Leben kosten. Nein! Lieber ignoriere ich die leise, aber rebellische Stimme in mir und mache auf lieb, nett und Anpassung. Da fühle ich mich Zuhause, also los, lauf!

Sich etwas vormachen, kostet aber auch Lebenszeit, dachte die Frau gerade, als sie über ihre eigenen Füsse stolperte und der Länge nach ins hohe Gras fiel. Sie vergrub den Kopf in ihren Armen, die sie schnell schützend um sich gelegt hatte. Ok! Das ist das Ende. Ich habe mich oft gefragt, wie ich einmal sterben werde, nun weiss ich es. Ich werde von einem Bären gefressen!

Sie hielt den Atem an, zog die Beine unter sich an und sammelte alle Kraft, um zu einem Stein zu werden. Dann spürte sie eine Wärme über sich, die von dem riesigen Tier ausging. Beiss schon zu! Dann ist es erledigt! Sie spürte den warmen Hauch des Bären in ihrem Nacken und roch den tierischen Geruch, so dass ihr fast übel wurde.

Los, komm! Beiss zu!

Mit einem erneuten, aus der tiefsten Tiefe des Bären komenden Knurren, legte dieser seine Tatze auf ihren Kopf, aber nicht so, als würde er sie damit töten wollen. Diese Bärenpfote war weich und behutsam, doch mit dem deutlichen Kratzen seiner Krallen.

Will er auf meinem Kopf Beeren pflücken?

Nein, da war etwas Festes, das an ihrem Kopf festgemacht war und sich wie ein Band anfühlte. Als er kräftig daran zog drückte es sich ihr schmerzhaft in ihre Augen. Was ist da, um Himmelswillen, um meinen Kopf gewickelt?

Deine Maske, brummte der Bär mit seinem typischen Grollen. Eigentlich war es nur sein Brummen, aber die Frau hörte seine Worte ganz genau heraus. Du trägst sie schon dein Leben lang, so weisst du gar nicht, wie es sich anfühlt, du zu sein. Darum kommst du auch mit solchen Fragen zu mir. Um zu überleben hast du dich mit Schichten geschützt. Du kannst sie nun ablegen. Jetzt ist es Zeit, dich selber kennenzulernen, du brauchst sie nicht mehr. Deine Suche kann jetzt zu Wissen werden.

So, deine Maske ist nun weg und dein Blick wieder klar.

Der Bär brummte weiter: Ich wollte dich nie fressen. Ich wollte herausfinden, wie wichtig dir dein wahres Leben ist. Indem du mich gefunden und dich mutig mir entgegengestellt hast, hast du dich deinem Leben und dem Maskensterben hingegeben. Ich bin die grosse Bärin und mir ist jegliches Leben heilig. In mir ist das Wissen aller Jahrtausende, nicht nur das von dieser Erde. Ich komme aus dem Universum und, wenn du bei klarem Himmel zu den Sternen schaust, wirst du dort das Bild von mir sehen. Meine energetische Kraft gab es schon längst vor der Zeit.

Du bist schon lange bereit zu sehen, aber mit dieser albernen Maske machst du dir das Leben unnötig schwer. Dich erkennt niemand, nicht einmal du selber. Komm schon, setz dich auf und wir machen es uns gemütlich dort unter die Eiche und du kannst mir alle Fragen stellen, die dich bewegen. Ich rate dir aber, deine wahre Kraft mitzubringen, dich selber so anzunehmen, wie du bist, sonst….. werde ich wieder gehen, ohne dass du die Antworten erhalten hast. Deine Kraft muss nicht stark sein, wie du immer meinst. Sie hat genau die Farben, die dich ausmachen, aber anerkenne sie! Bist du bereit? Ich gehe schon mal vor, zur Eiche und warte auf dich. Du weißt, ich habe Geduld, lass dir Zeit. Komme in deiner ureigenen Kraft zu mir und du kannst mich alles fragen. Ja, ich werde dich die wahre Zeit lehren.

Die Frau spürte, wie die Wärme, die sie begonnen hatte zu mögen, langsam verschwand und mit ihr der Bärenhauch und das Brummen. Mit pochendem Herzen blieb sie so zusammengerollt liegen, dann fing sie an, sich hin und her zu schaukeln, wie ein Kind. Tränen tropften über die plattgedrückten Grashalme in die Erde. Sie war noch am Leben und wie! Sie schluchzte und es schüttelte sie. Langsam setzte sie sich auf und mit einem Seufzer schaute zur alten Eiche hinüber, wo die alte Bärin gemütlich schlummerte. Bei diesem Anblick wurde ihr Herz ganz warm und es begann in einem vertrauten, kraftspendenden Rhythmus zu schlagen….. tadam, tadam, tadam, tadammm….

Sie sah sich um. Es war dieselbe Welt, wie sie sie kannte. Eigentlich hatte sich nichts verändert und doch sah sie alles mit anderen Augen. Sie fühlte sich frei, erleichtert und mit einem Kribbeln in ihr drin, wie Luftblasen, die im Wasser an die Oberfläche strebten. Wieder schaute sie zur alten Bärin, stand auf, breitete die Arme aus und rief ihr aus tiefstem Herzen ein lautes DANKE! zu. Die Bärin blinzelte und die Frau glaubte ein Schmunzeln zu sehen. Winkend drehte sich die Frau um und ging in ihr Leben mit der Wärme und der Kraft der Bärin als Rückenwind. Sie machte sich auf den Weg, ihre eigene Kraft zu entdecken und sie zu feiern!

Liebe Bärin, ich komme zurück, ich weiss es und du auch!

Ja, liebe Leserin, lieber Leser, wieder wollte es eine Geschichte werden. Diese eigenwillige Frau ist hartnäckig….. ich habe das Gefühl, da kündigt sich etwas an…..

Danke, dass du die Geschichte gelesen hast! Das freut mich sehr! Ich wünsche dir eine mutige Zeit und wenn du der Bärin (oder dem, was dir wichtig ist) begegnest, atme einmal in Ruhe durch. Schau nach, ob da eine Schicht ist, die du ablegen kannst, um ganz du zu sein: erkenne dich in deiner Farbe und mit deiner einzigartigen Kraft. Du weisst, die Welt freut sich auf dich!

Herzlich grüsst dich

Iris, die WeltenWindFrau

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Ich brauche eine Medizin

Ich brauche eine Medizin für oder gegen etwas?

Also, ich brauche eine Medizin, sagte die Frau und machte sich auf den Weg. Sie hatte sich warm angezogen, man weiss nie, was unterwegs alles passieren kann. Ja, auch den letzten Apfel aus dem Keller packte sie in eine Tasche. Dazu noch ein paar Nüsse, zwei Brötchen und eine Flasche verdünnten Holundersirup, vom roten, den vom Spätsommer.

Munter schritt sie voran und hielt dabei Ausschau nach jemandem, die oder der ihr eine Medizin geben könnte.

Seit längerer Zeit litt sie an Rückenschmerzen, auch war ihr oft schwindlig und ihre Träume waren immer mal wieder haarsträubend. Das konnte so nicht weitergehen, sie wollte wieder ihr ruhiges Leben zurück, wo alles seine Ordnung hatte.

Obwohl, wenn sie ehrlich war, gab es diese Zeiten gar nie. Immer war irgendetwas los, worum sie kämpfen oder wo sie Ordnung schaffen musste. Genau, auch dagegen wollte sie eine Medizin. Gegen Unordnung und für mehr Harmonie. Gab es das überhaupt? Egal, sie wollte jetzt einfach eine Medizin gegen all das, was ihr Leben im Moment erschwerte.

Sie begegnete vielen Leuten und jedes Mal schaute sie sie hoffnungsvoll an, aber niemand gab sich als Medizinfrau oder Medizinmann zu erkennen. Im Gegenteil, wenn sie mit ihnen sprach, wurde sie manchmal nur noch verwirrter oder sie ärgerte sich gar, so dass sie missmutig weiterstapfte. Sie fragte auch die Tiere und Pflanzen, aber die gaben ihr so unklare Antworten, die sie oft nicht verstand.

Je länger die Reise dauerte, desto unzufriedener wurde die Frau. Einmal, es wurde so langsam dunkel, da sah sie eine alte Frau auf einem Stein sitzen. Langsam kam sie näher, doch die alte Frau hob den Blick nicht. Erst als die Frau vor ihr stand, schaute sie langsam auf, schaute ihr in die Augen und sagte, da bist du ja.

Jetzt machte die Frau grosse Augen und sie fragte die alte Frau, kennst du mich? Ja! Schon immer. Wer bist du? Ich bin Du! Was, nein! Das kann nicht sein! Ich kenne dich nicht! Oh doch. Schau mich genau an. Sehe ich nicht aus, wie jemand, die ein Leben lang da draussen herumgesucht hat, um die eigene Unzufriedenheit zu heilen?

Das war die Höhe, fand die Frau, und ging grusslos weiter. Sie war richtig wütend. Die ist ja so frech! Die hat doch keine Ahnung! Und überhaupt ist das doch gar nicht möglich, woher weiss die das alles? Sie stapfte weiter und weiter und schüttelte dabei den Kopf. Diese alte Frau sah so griesgrämig aus, die kann unmöglich ich sein!

Auf einmal blieb sie stehen, sie wollte mit dieser alten Frau nochmal reden. Sie suchte den Weg zurück, aber sie fand den Weg nicht mehr. Immer wieder, wenn sie dachte, dass sie die Stelle findet, wo die alte Frau gesessen hat, war es ein Irrtum.

Unterdessen war es dunkel geworden. Sie legte sich in die Wurzeln einer grossen dicken alten Eiche und weinte, bis sie einschlief. Und nun war sie froh, um ihre warmen Kleider. Sie träumte, sie liege im Wasser und könne gleichzeitig fliegen. Sie konnte das Wasser verstehen, wie es sprach und liebte die Berührung der Wolken. Sie nahm den Respekt, den die Vögel ihr zeigten staunend entgegen und erkannte gleichzeitig, dass die Fische gar nicht stumm waren. Sie hatte das Gefühl, dass die Pflanzenwelt sie nährten und die Erde, auf der sie lebte, ihr ein unbeschreiblich schönes Zuhause schenkte.

Als sie aus diesem Traum aufwachte, kramte sie ihre Nüsse hervor und legte sie für die Tiere an die Wurzeln der Eiche, wo sie eben geträumt hatte. Sie nahm den Apfel mit einem Danke! an ihr Herz und legte ihn ebenfalls ins Gras, nachdem sie einen Bissen davon genommen hatte. Dann trank sie den Holundersaft bis zur Hälfte leer und verschenkte auch diesen der Erde. Die Brötchen hatte sie unterwegs schon gegessen, darum konnte sie sie nicht mehr teilen.

Dann machte sie sich durch die Dunkelheit auf den Heimweg. Mühelos fand sie den Stein, auf dem die alte Frau gesessen hatte. Sie setzte sich selber darauf und wartete…….

…….nicht auf die alte Frau.

Seitdem sie aufgewacht war, wusste sie, dass sie die Medizin gefunden hatte, denn da regte sich tief in ihr drin ein Funke. Sie wartete, bis dieser ihr ein wissendes Lächeln in ihr Gesicht zauberte, auf dass es sie nach und nach ganz erfasse.

Und das trägt sie noch heute, denn sie sucht nicht mehr etwas im Aussen. Sie weiss jetzt, wo sie findet. Du auch?

Und jetzt fand die Frau wie von Zauberhand Medizinfauen- und männer, auch Pflanzen und Tiere wurden heilsame Begleiter……..


Es wollte auch in diesem Monat wieder ein Geschichtenmärchen werden. Manchmal habe ich es einfach nicht im Griff….. der Funke in mir übernimmt das Schreiben.

Wie sage ich immer? Annehmen, was ist, und loslassen. Genau darum geht es auch im Telefongespräch mit Ljiljana. Wir sprechen über eine besondere Medizin: Das Fasten…..ein Klick auf den Link und du kannst uns zuhören. Das ist ein mega spannendes Gespräch geworden!

https://iriswangler.ch/videos/Tel-mit-Ljiljana-Mar25.mp4

Und gleich noch ein Link: Vielleicht möchtest du meinen Newsletter abonnieren? Da steht allerhand über das Leben mit all seinen Facetten drin, wie du ihm mit einfachen Ritualen in der Natur Kraft geben kannst und dabei das Schmunzeln nicht vergisst…. ich freue mich, dich damit zu erfreuen! https://iriswangler.ch/newsletter.html

Ich danke dir für dein Hiersein und grüsse Dich von Herzen fest!

Iris, die Geschichten-Medizin-Frau 😉

http://weltenwind.ch

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Es war einmal….

Es war einmal eine Frau mit einem Geweih auf dem Kopf, die lebte in einem Baum. Eigentlich sass sie auf einem Baum, aber weil sie ihn nie verliess und sie mit diesem Pflanzenriesen wie verwachsen war, kann ich dir sagen, dass sie im Baum wohnte.

Die Frau mit dem Geweih auf dem Kopf kümmerte sich mit all ihrer Liebe und der Freude, die sie in sich spürte, um den Baum. Und er wiederum schenkte ihr Nahrung. Es war ein harmonisches Geben und Nehmen und so überstanden sie alle Jahreszeiten samt den Stürmen und lebten viele, viele Jahre, ja Jahrhunderte miteinander.

Am meisten freuten sie sich über Besuch. Da setzten sich Eichhörnchen, Käfer, Feen, Zwerge und Elben zu ihnen. Auch ein Efeu suchte sich einen Weg dem Stamm entlang nach oben, weil es unbedingt einen Schwatz mit der Frau mit dem Geweih auf dem Kopf halten wollte. Ja es war ein stetiges Kommen und Gehen.

Besonders die Vögel liessen sich gern auf einem Ast nieder und brachten Geschichten aus der weiten Welt. Ihnen zu lauschen, liebte die Frau mit dem Geweih auf dem Kopf über alles. Sie malte sich die Welt ausserhalb des Waldes mit ihrer ganzen Fantasie aus. Und dann erzählte sie die Geschichten jenen weiter, die zu Besuch kamen und jedesmal klang es so, als wäre sie selber dort gewesen.

Es sprach sich herum, dass diese Baumfrau mit dem Geweih auf dem Kopf Geschichten aus aller Welt erzählt, und so kamen Besucher von überall her.

Eines Nachts, es war gerade Neumond und darum im Wald besonders dunkel, wurde die Frau mit dem Geweih auf dem Kopf von einem Geräusch aufgeweckt. Sie schlief für gewöhnlich in einer moosbedeckten Armbeuge des Baumes. Sie setzte sich auf, aber sie sah nichts, eben, es war einfach mondlos dunkel. NIcht einmal Sterne funkelten, wo waren sie nur?

Darum musste sie sich auf ihr Hinhorchen und Wahrnehmen verlassen. Ist da jemand? Sie bekam keine Antwort, aber ein kalter Wind blies ihr entgegen. Sie begann zu frieren und und ihr Herz wurde schwer.

Da war eine eisige Kälte, die sie umhüllte und die sich nicht mehr abschütteln liess.

Schnell, steh auf, nun ist die Zeit gekommen! sagte der Baum auf einmal laut und deutlich. Du kannst reden? fragte die Frau mit dem Geweih auf dem Kopf. Ja, schon immer, aber bis jetzt war es nicht nötig.

Oh, wie schön! Also, ich stehe und jetzt?

Halte dich mit einer Hand an mir fest und die andere streckst du weit von dir weg. Spüre mit deinen Füssen den Ast und stehe gut verankert da. Denk nicht mehr an die Kälte, sondern vertraue dem Moment. Und jetzt gehts los!

Aus den Wurzeln des Baumes begann es zu rütteln und zu schütteln. Immer mehr, immer heftiger, als wäre der Baum selber ein Sturm. Es krachte und alte Äste fielen zu Boden. Es war laut, sehr laut und dunkel.

Die Frau mit dem Geweih auf dem Kopf hielt sich tapfer, obwohl ihr Herz bis zum Hals schlug und die Kälte sie steif machte. Auf einmal spürte sie, wie sich etwas auf ihre ausgestreckte Hand setzte und leuchtete. Eine kleine Elbenfrau kraxelte ihrem Arm entlang und setze sich auf ihre Schulter. Und überall, wo sie war, liess sie Wärme durch den Körper der Frau mit dem Geweih auf dem Kopf strömen.

Dieses kleine Elbenlicht brachte so viel Kraft! Der Baum rüttelte immer stärker, aber die kleine Elbe turnte an der Frau mit dem Geweih auf dem Kopf unaufhaltsam herum, so dass sich langsam wieder die Wärme in ihr ausbreitete und sie lachen musste, weil es so lustig war. Und nicht nur das, es keimte eine nie gekannte Kraft in ihr drin, so dass sie sich gut auf dem stürmischen Baum halten konnte!

Die Äste bogen sich nun auseinander. Ja, diese alten, knorrigen Äste konnten sich bewegen! Und aus der Mitte des Stammes zwängte sich etwas Rundes hervor. Ist das der Mond, der da wieder geboren wird?

Wieder krachten alte Äste mit lautem Getöse zu Boden und andere ächzten und stöhnten so laut, dass es Angst machte.

Auf einmal wurde es still. Da noch ein Knacken, dort ein leises Ächzen, aber sonst war es ganz ruhig. Nichts bewegte sich mehr, aber überall lagen Äste, Zweige und Moos herum, es war ein riesen Durcheinander. Die Frau mit dem Geweih auf dem Kopf schaute mit wildpochendem Herzen in das helle, wissende Gesicht der Elbe und diese zeigte mit ihrem kleinen Zeigefinger nach oben. Beide hoben den Blick und sahen……

…… eine riesige Rahmentrommel. Bespannt mit einer kristallinen Haut, gehalten vom Holz des Baumes.

Spiel! befahl der Baum. Sorgfältig legte die Frau mit dem Geweih auf dem Kopf ihre Finger auf die kristalline Haut und es begann augenblicklich zu klingen. Sie konnte damit nicht aufhören, bis der Himmel langsam hell wurde und die Vögel miteinstimmten. Ein wunder…volles Konzert klang durch den Wald. Und noch lange, lange lag der Klang in der Luft, obwohl die Frau mit dem Geweih auf dem Kopf gar nicht mehr spielte.

Der Baum sah nun ganz anders aus, denn in der Krone trug er, statt der Äste, eine wundersame Trommel.

Viele hundert Jahre war der Baum wortlos, nun trägt er eine Stimme in seinen knorrigen, alten Ästen. Eine Stimme, die aus den Wurzeln heraufklingt und von der Erde erzählt. Und eine Stimme, die aus den Räumen zwischen den Sternen zu ihm schwingt und von der kristallinen Haut empfangen wird.

Und die kleine Elbe? Sie blieb bei der Frau mit dem Geweih auf dem Kopf und dem Baum und verwandelte sich von Zeit zu Zeit in Sternenstaub, denn von den Sternen kam sie einmal her. So brachte sie die Trommel samt ihren Geschichten zum Leuchten.

Nun waren sie zu viert. Der Baum, die Frau mit dem Geweih auf dem Kopf, die Elbe und die Trommel, und sie liebten Besuch. Sie kümmerten sich liebevoll umeinander, denn sie wussten, sie alle waren wertvoll.

Und darum, wenn du, liebe:r Leser:in in deinem inneren Wald spazieren gehst, könnte es sein, dass du auf ein riesen Durcheinander triffst oder dass es dunkel wird oder gar stürmt. Setz dich hin und erspüre mit deinen Füssen die Erde, spüre die Verbundenheit mit ihr. Schliesse die Augen und atme mit allem, was ist.

Vielleicht vernimmst du auf einmal kristalline Klänge aus deinem inneren Lebensbaum. Dann schau nach oben und staune, was siehst du? Eine Frau mit einem Geweih auf dem Kopf, die dir von der Erde und dem Himmel erzählt und die dich an deine wahren Gaben erinnert? Oder du freust dich einfach über den Sternenstaub, der in der Sonne glitzert? Halte inne, denn du bist gemeint und willkommen……… zu lauschen, dich zu wundern, zu leben, zu lieben und zu leuchten mit all deinen Gaben.

Ja, Gaben, jede:r von uns hat sie! Doch haben wir auch den Mut, sie zu zeigen? Oder gar darüber zu reden? Hm. Schau in meine Homepage, http://weltenwind.ch unter Aktuelles findest du ein lustiges Gespräch mit Petra. Sie ist Kundalini Yogalehrerin und so inspirierend!

Ich grüsse dich von Herzen fest und danke dir, dass du dieses Märchen gelesen hast. Ich klatsche in die Hände und verteile Sternenstaub vor Freude! DANKE!! Und ich freue mich über deine Gaben!

Iris

EinHornFrau

EinHornFrau. Eine Geschichte über eine Frau die ein Horn hat.

Es war einmal eine unscheinbare Pflanze. Sie schwamm auf einem kleinen Weiher in einer Waldlichtung. Nur wenige Menschen fanden den Weg dorthin und wenn, dann waren sie alle hin und weg von diesem Zauber, den sie vorfanden.

Aber kaum jemand sah die unscheinbare Pflanze, die still und eigenwillig auf dem Wasser schwamm. Sie sah aus wie eine Muschel, und hätte jemand genau hingeschaut, hätte sie oder er gesehen, dass sie lebendig war. Sie bewegte sich! Ja, sie tanzte förmlich über das Wasser. Aber eben, das war nur für jene sichtbar, die genau hinschauten.

Diesen Ort gibt es wirklich, ich war schon oft da und ich gebe zu, diese schwimmende, lebendige Muschelpflanze, habe ich nie wahrgenommen.

Bis gestern. Ich streifte wiedereinmal im Sonnenschein unter dem blauen Herbsthimmel durch den Wald. Ich schmunzelte schon innerlich, denn ich fühlte, wie der Weiher mich magisch anzog.

Da stand ich nun und liess mich von diesem Zauber der Natur erfüllen und liess meinen Blick gedankenverloren da- und dorthin wandern. Auf einmal sah ich diese Muschelpflanze und wie sie sich bewegte. Es sah aus, als hätte sie ein Innenleben. Sie bekam Beulen, wurde in die Länge und in die Breite gezogen, wackelte gefährlich hin und her, bis…….

…… sie sich mit einem trotzigen „also gut!“ öffnete. Ich war auf einmal hellwach. Keine Träumereien mehr. Ich ging so nah wie ich nur konnte zum Wasser und schaute gespannt auf diese kleine Wesenheit. Laut und deutlich hörte ich ein: „Eeeeendlich!“ Nun war ich gespannt, was geht hier vor?

Eine kleine Spitze kam zum Vorschein, die immer länger und länger wurde. Irgendwann blinzelte eine Frau mit einem Horn auf der Stirn über den Muschelrand, begleitet von einem Farbenzauber.

Sie streckte nun den ganzen Kopf aus der Pflanze und schaute mir direkt in die Augen. „Schau nicht so blöd!“ rief sie frech. Ich schaute mich umher, dann wieder aufs Wasser. Mit wem sprach sie?

„Na mit dir! Und überhaupt ich mag unüberlegte Fragen üüüüberhaupt nicht!“

Konnte dieses wunderschöne, aufmüpfige Wesen meine Gedanken lesen? „Ja, kann ich. Du hast uns endlich, endlich wahrgenommen. Wie oft warst du schon hier und hast einfach über uns, meine Muschel und mich hinweggesehen? Aber nun bist du hier und wir sind sehr erfreut, mit dir zu sprechen. Eigentlich nur ich, die Muschel hat Angst vor dir. Sag ihr, dass du uns nichts tust.“

Vor lauter Staunen konnte ich zuerst gar nicht antworten, mit grossen Augen und offenem Mund bestätigte ich mit einem Nicken, dass es mir nicht in den Sinn käme, ihnen etwas anzutun. Da war eine kleine, wunderschöne Einhornfrau und sprach mit mir!

„Ja, ich spreche mit dir, weil du uns gesehen hast und nun musst du auch Verantwortung dafür übernehmen.“

Was muss ich? Wie meinst du das?

Was und wie du etwas siehst, hörst, spürst und denkst, hat Auswirkung auf dich, auf dein Leben, auf deine Umgebung, auf uns eigenArtige Wesenheiten, halt einfach auf alles. Darum ist deine Wahrnehmung, gepaart mit deinen Wünschen, Ängsten und Absichten, der Stoff aus dem diese Welt besteht. Ich habe ein Horn und damit bin ich mit allem, was ist, verbunden. So, wie du. Ich kann damit zaubern!“

Ich habe aber kein Horn auf der Stirn! „Doch, hast du!“ Nein! Ich sehe jeden Tag mehrmals in den Spiegel und ich habe noch nie ein Horn gesehen. „Ja, weil du es nicht sehen willst!“ Du meinst, wenn ich genau wahrnehmen würde, dann würde ich merken, dass ich ein Einhorn bin?

„Wenn du genau wahrnimmst, würdest du merken, dass du natürlich kein Einhorn bist. Aber du würdest merken, dass du eine EinHornFrau bist.“

Und was ist der Unterschied?

„Du bist verbunden mit allem, was ist. Und nicht nur du, alle Lebewesen dieser Erde. Und die Erde wiederum mit uns und allen Planeten, dem ganzen Universum und immer so weiter. Verstehst du nun die Verantwortung, die ihr trägt?“

Hm. Ja, langsam spüre ich da so einen Funken, der mich irgendwie erinnert.

„Genau! Liebe schreibende und hörende EinHornFrau, wie schön, dass du da bist und dich an dieses Erinnern erinnerst!“ Die Pflanzenmuschel wackelte wieder ob der Freude der Einhornfrau. Und viele Funken tanzten aus der Muschel, so dass ich lachen musste.

„Schliesse mal die Augen“, forderte sie mich auf, “ atme und spüre den Rhythmus deines Herzens. Dann achtest du auf den Atem und den Rhythmus der Erde unter deinen Füssen, im Becken, auf dem du sitzt, bis du eine Melodie erklingen hörst. Es ist das Zusammenspiel mit deinem Herzen und der Erde, das dich nun ganz und gar erfüllt. Das ist Verbundenheit. Du kannst ihr vertrauen.“

Lange sass ich da und spürte und spürte und vergass die Zeit. Manchmal erfasste mich dieses Gefühl, das die Einhornfrau beschrieben hat, aber oft kamen mir meine Gedanken dazwischen. Ja, das mit dem Vertrauen ist so eine Sache, aber ich gebe nicht auf! Irgendwann öffnete ich die Augen. Es wurde schon langsam dunkel und ich fröstelte, es ist ja Herbst. Ich sass an meinem Weiher in einer Waldlichtung. Alles ist ruhig. Weit und breit keine Muschelpflanze mehr mit einer Einhornfrau drin.

Schade, sie sind fort, dabei wollte ich ihnen doch noch sagen, dass ich, wenn schon, denn schon, eine ZweiHornFrau bin. Ich habe zwei spiralförmige Hörner. Ich bin nämlich eine Widderfrau! Oh, vielleicht hat sie es gehört, wir sind ja verbunden!

Dankend und schmunzelnd kam ich leichten Fusses nach Hause. Ich hatte ein berührendes Erlebnis und war voller Vorfreude, dir davon zu berichten.

Und wenn du heute in den Spiegel schaust, nimm genau wahr, vielleicht siehst du ……..

Ich grüsse dich von Herzen fest aus den Welten, deren Winde uns Geschichten erzählen.

Iris

http://weltenwind.ch

Und noch etwas: Seit neuestem schreibe ich einen Newsletter. Auf meiner Website findest du die Anmeldung. Ich bin sicher, dass die Winde der Welten dir allerhand zu deinem Leben beitragen. Ich freue mich auf dein Dabeisein!

Ein Märchen

Sie ist schüchtern, diese Krone.

Sie weiss eben nicht, dass sie eine Krone ist.

Lange steht sie da und beobachtet. Bis es Abend wird und auch wieder Morgen.

Sie beobachtet die Welt, hört zu, reiht sich ein in den Klang der Erde.

Nun ist sie aber ein wenig durcheinander. Es hat so viele, viele, viele Töne!

Schon seit langem ist sie auf der Suche nach dem Klang, der ihr Herz berührt. Wo ist er wohl zu finden in dem Lärm da draussen?

Sie steht still, ist einfach da und spürt den Luftzug der bewegten Welt um sie herum. Es fällt ihr schwer standhaft zu bleiben. Bis es passiert. Sie wird mitgerissen und tanzt auf diesem Riesenkarussell mit, so gut es eben geht. Aber eigentlich ist sie eher wie ein Blatt im Wind, das hin und her geschleudert wird.

Bleib stehen! hört sie eine Stimme.

Bleib stehen und suche den Weg nach innen zu deinem Herzen!

Wie soll das gehen? Dieser Wirbelsturm ist doch viel stärker als ich! Ich habe nie und nimmer die Kraft dazu.

Die Stimme lässt nicht locker. Geh! Steh auf! Du bist so nah dran!

Die Krone lässt sich Zeit, denn sie hat sich unterdessen ans Wirbeln gewöhnt. Und sie traut der Stimme nicht so ganz.

Auf einmal knallt die Krone gegen etwas Hartes. Sie spürt einen tiefen, alten Schmerz. Sie rappelt sich auf und entdeckt ein Loch im Herzen.

Nun ist es still. Kein Wirbeln mehr, keine Stimme mehr.

Stille, einfach Stille.

Sie schaut sich um. Sie bekommt Angst. Bin ich jetzt tot?

Nein! hört sie eine vertraute Stimme aus jeder Ecke ihres Seins.

Wo bin ich?

Wer bist du?

Ich bin du! Und du bist wieder bei dir angekommen.

Nun hört die Krone mit dem Loch im Herzen genau hin. Sie vernimmt von weit her ein Summen. Unzählbar viele Stimmen. Sie spinnen ihre Klangfäden zu einem magischen Liedertuch. Ein Lied aus unendlich vielen Liedern. Eine Symphonie einem Sternenhimmel gleich. Sanft wird die Krone damit eingehüllt und willkommen geheissen.

Da beginnt die schüchterne Krone mit dem Loch im Herzen ganz leise, dann immer mutiger ihr Lied anzustimmen. Ist es neu für sie oder bekannt, schon immer da gewesen? Ihre Töne suchen ihren Platz im grossen Ganzen. Ihre Töne finden Kraft und werden lebendig.

Das Loch im Herzen der Krone heilt langsam. Und auf einmal hört sie, wie sie mit ihrem Lied mithilft, dieses wundersame Konzert zum Klingen und Schwingen zu bringen. Sie spürt etwas sehr Kostbares je mehr sie aus ihren Tiefen heraus singt.

Die Krone weiss noch immer nicht, dass sie eine Krone ist. Sie denkt, sie sei ein Lied…

….. im Lied….

….. im Lied…….

….. im Lied……………………

……und dies aus vollem Herzen.