Eine Forschungsreise

Eine Forschungsreise, das klingt nach Abenteuer weit weg von Zuhause. Vielleicht irgendwo in Südamerika, wo es noch viel Unentdecktes gibt.

Ich gebe es dir gleich zu, auf dem Foto siehst du nicht die Iguazu- Wasserfälle. Ich weiss, das hast du längst erkannt, und so bin ich auch nicht weit gereist. Quasi vor meiner Ateliertüre fliesst die Töss. Sie hat sehr schöne kleine Steininseln und ich sitze mit meinem Laptop mittendrin. Es hat einigen Mut gekostet ins Kalte Wasser zu steigen, um auf den glitschigen Steinen zur Insel zu gelangen. Wir, die Elektronik und ich, sind heil angekommen, der Weg zurück steht uns noch bevor….

Ich niste mich auf einem Kissen zwischen den Steinen gemütlich ein und forsche. Natürlich, wie könnte es anders sein, in meinen inneren Ländern. Eigentlich hat diese Reise schon vor ein paar Jahrzehnten begonnen. Ich erinnere mich an den Moment, als ich mit gut zehn Jahren auf einen Baum geklettert bin und mein Stiefvater mir zurief: »Rölfli, schaffst du es auch wieder herunter?»

Damals stockte mir der Atem. Wie hat er mich eben genannt? Bin ich ein Junge, weil ich auf Bäume klettere? Dürfen Mädchen das nicht auch? War das ein Lob oder eine Beleidigung? Dass ich vielleicht nicht mehr vom Baum klettern oder gar hinunterfallen könnte, war für mich keine Frage. Ich vertraute dieser Kraft, dass sie mich trug oder gar auffing. Aber wer war ich nun? Ich sass da oben und wäre am liebsten nicht mehr heruntergekommen. Dem Baum war es egal, wer oder was ich war, aber mir? Was dachten die anderen von mir?

Das Bäumeklettern war irgendwann vorbei, obwohl es mich immer wieder mal juckt, aber die Forschungsreise nach meiner Identität ist bis heute noch nicht abgeschlossen. Ich habe viel Erstaunliches entdeckt und jedes Mal dachte ich, so, jetzt weiss ich es!  Und kurz darauf stellte ich oder mein Leben alles wieder in Frage.

Geklärt ist, dass ich weiblich bin, dass das in Fragestellen meines Pioniergeistes eine Beleidigung war und dass die Suche nach meinem «wer bin ich», mich noch immer verunsichert.

Nun sitze ich mit einem Laptop auf den Knien mitten in der Natur und bin etwas irritiert… was für Gegensätze! Warum habe ich nicht Papier und Stift mitgenommen? Hm. Es rauscht um mich herum, Wasser kann sehr laut sein. Und es hört nicht auf! Es rauscht einfach weiter. Dem Fluss ist es egal, wer wie hiersitzt und womit sie beschäftigt ist oder was gerade tut. Das Wasser ist lauter als meine wilden Gedanken, ja, es nimmt sie einfach mit.

Ich spüre die Abendsonne im Rücken, die Büsche und Bäume, die das Ufer säumen, geben mir Schutz und Geborgenheit, obwohl mich alle sehen können, die den Weg entlang gehen. Was sie wohl denken? Was ist das für eine Verrückte dort drüben? Heisst sie etwa Rölfli?

Ich gebe nun jeden Widerstand auf und lasse mich vom Rauschen wegtragen, weg von all dem, was andere über mich denken könnten. Ich bin auf Forschungsreise meiner selbst und das zählt. Ich fliesse mit der Töss in meine Welten, wo ich Zuhause bin.

Da sind Eigenheiten von mir, die ich unterdrückt habe, weil ich merkte, dass sie sie nicht gefragt waren. Wesenszüge, die der Anpassung zum Opfer gefallen sind. Meine Forschungen bringen mich an Orte, die mich zum Schmunzeln bringen, die mir zurufen, liebe mich! Ganze Länder, wo ich vor Freude und Stolz tanze und laut, am liebsten kreuzfalsch, singe. Da sind aber auch solche, die mich zum Weglaufen bewegen. Orte, wo es mir Angst und Bange wird, wo ich den Kopf über mich selber schüttle, was hast du dir nur dabei gedacht?

Es gibt tausend Methoden Frieden mit diesen unbequemen Orten zu schliessen. Und ich sage dir nichts Neues, dass diese Arbeit anstrengend, aber heilend ist.

In letzter Zeit entdecke ich mich wieder neu. Ich reduziere. Mein Innenleben ist nicht mehr ein undurchdringlicher Dschungel und ich habe genug vom Reisen.

Da ist ein Licht in mir und in dir!, bei dem es sich verweilen lässt und das ich liebe!

Wir sind eine wunderbare Kraft, der wir durch und durch vertrauen können.

Wir haben einen einzigartigen Herzraum, der Liebe schenkt und empfängt.

Lassen wir doch den Frieden und die Freude in uns Platz nehmen und spüren, wie die Freiheit sich ausbreitet, wie ein warmes Federkleid.

Seien wir wahrhaftig, verbunden mit unserer Seele, denn sie flüstert uns den nächsten Schritt ein.

Meine Forschungsreise wird wohl ein Leben lang andauern. Mit wenig Gepäck reist es sich aber leichter……. ich hätte besser ein Papier und einen Stift mitnehmen sollen, da wäre jetzt mein Heimweg einfacher…..  Aber so, wie ich es schaffte voller Vertrauen vom Baum hinunter zu klettern, weil ich mit der Wesenheit Baum verbunden war, so unterstützt mich das kalte Wasser der Töss, das um meine Beine wirbelt, wieder ans Ufer zu gelangen.

So. Ich bin in wieder drüben und lache vor mich hin. Ich habe einen Weg gefunden, der mich über Steine ans Ufer hüpfen liess! Sicher und trocken spaziere ich dem Feldweg entlang zurück zum Atelier. Ich singe ein schräges, Glückslied: Was für eine super Idee, Iris, den Laptop in die Natur mitzunehmen! Ich habe gut gewählt. Morgen ist der der 3. Und ich kann dir nun ganz leicht den Bericht meiner Forschungsreise bei WordPress posten.

Rauschende Liebesgrüsse aus dem Tösstal in der Schweiz zu dir!

Rölfli…. und….

Iris, der Weltenwindfrau!

http://weltenwind.ch

Danke, liebe Leserin, lieber Leser für dein Hiersein! Du bist nicht nur für mich wichtig………. geniess das Frühlingsspriessen und viel Freude auf deiner eigenen Forschungsreise…..

   

Wieder einmal …

Wieder einmal zeige ich dir ein unfertiges Bild.

Wieder einmal ist alles ganz neu.

Wieder einmal kenn ich den Weg nicht.

Wieder einmal bin ich überfordert.

Wieder einmal wünsche ich mir Klarheit.

Wieder einmal werde ich ungeduldig.

Wieder einmal möchte ich am liebsten davonrennen, weil ich keine Ahnung habe.

Wieder einmal bleibe ich stehen

im Aussen,

drinnen in mir bin ich längst weg.

Weg von dem was ich mache,

weg von dem was die anderen denken, wer ich bin,

weg von dem, was ich mir vorgestellt habe,

weg von da, wo ich bin, obwohl alles schön und stimmig ist,

weg

nach Hause.

Nach Hause, ruft es in mir immer wieder, schon mein ganzes Leben lang, obwohl ich doch schon längst zu Hause bin.

Aber wo ist denn das Zuhause, nachdem meine innere Stimme immer wieder ruft?

All die Jahre, die ich schon lebe, hatte ich immer wieder das Gefühl, es gefunden, dann wieder verloren zu haben und mich auf den Weg gemacht, es auf’s Neue zu finden. Im Innen wie im Aussen.

Ich schaue mein unfertiges Bild an. Eine Figur mit einem Geweih auf dem Kopf, das aussieht wie ein Baum. Ich habe dies nicht extra gemalt, ich habe es in den Formen der Farben gesehen und herausgeschält.

Beim Malen spürte ich meine Knochen, mein Blut, das in meinem Körper floss und mich lebendig fühlen liess. Ich richtete mich auf und spürte nach, ob da ein Baum auf meinem Kopf ist.

Aufstehen, mich innerlich aufrichten, auch wenn es mir nicht danach ist, ist mein Lebensmotto. Ich finde immer wieder einen Grund, das Leben lebenswert zu finden.

Da ist ein Garten, den ich mein Leben nenne.

Ich bin massgeblich an dessen Gestaltung beteiligt. Nicht alles kommt zum Blühen, trotzdem ist es da. Einiges stirbt weg, aber das, was gedeiht, will von mir gesehen werden. Und da macht sich, glaube ich, meine innere Stimme bemerkbar.

Nach Hause kommen heisst, das was ist, zu ehren und zu pflegen, auch wenn es erst am Entstehen ist und nach nichts aussieht. Nicht davonrennen, weil ich den Weg nicht kenne. Überforderung zulassen, vielleicht ist es eher die Aufforderung, die mir zuruft, ich solle die Meisterin in mir herauslocken?

Ja, die Meisterin, denn in meinen Knochen und in meinem Blut sind alte, uralte Erinnerungen, die genau in diesen Momenten rufen, wenn ich zweifle.

Wir alle haben einen Garten, einen sehr alten, erfahrenen, reichen Garten, den wir, so oft es geht, aufsuchen sollten. Denn er führt uns nach Hause, zu uns, wo wir Kraft schöpfen können, uns erinnern, um mutig alles zu sein, was uns ausmacht.

Wie fühlt es sich an, wenn du deinen eigenen, energetischen Lebensbaum stolz auf dem Kopf trägst, wie eine Krone? Gespiesen von deinem Herzen und deiner inneren Stimme, die ruft:

«Liebste Königin, liebster König, komm tanz mit mir!»

Liebe Königin, Lieber König, ich wünsche dir kraftvolles Frühlingserwachen. Lass dich nicht beirren, wenn an dir gezerrt wird und du auf die Probe gestellt wirst, ob dein Garten gut genug ist. Er ist mehr als genug, er ist DEIN ZUHAUSE!

Ich grüsse dich von Herzen fest und ich freue mich, wenn du diesen Blog teilst, um möglichst vielen Menschen Mut zu machen Meisterin und Meister ihres Lebens zu sein.

Iris, die WeltenWindFrau

http://weltenwin.ch

Es war einmal….

Es war einmal eine Frau mit einem Geweih auf dem Kopf, die lebte in einem Baum. Eigentlich sass sie auf einem Baum, aber weil sie ihn nie verliess und sie mit diesem Pflanzenriesen wie verwachsen war, kann ich dir sagen, dass sie im Baum wohnte.

Die Frau mit dem Geweih auf dem Kopf kümmerte sich mit all ihrer Liebe und der Freude, die sie in sich spürte, um den Baum. Und er wiederum schenkte ihr Nahrung. Es war ein harmonisches Geben und Nehmen und so überstanden sie alle Jahreszeiten samt den Stürmen und lebten viele, viele Jahre, ja Jahrhunderte miteinander.

Am meisten freuten sie sich über Besuch. Da setzten sich Eichhörnchen, Käfer, Feen, Zwerge und Elben zu ihnen. Auch ein Efeu suchte sich einen Weg dem Stamm entlang nach oben, weil es unbedingt einen Schwatz mit der Frau mit dem Geweih auf dem Kopf halten wollte. Ja es war ein stetiges Kommen und Gehen.

Besonders die Vögel liessen sich gern auf einem Ast nieder und brachten Geschichten aus der weiten Welt. Ihnen zu lauschen, liebte die Frau mit dem Geweih auf dem Kopf über alles. Sie malte sich die Welt ausserhalb des Waldes mit ihrer ganzen Fantasie aus. Und dann erzählte sie die Geschichten jenen weiter, die zu Besuch kamen und jedesmal klang es so, als wäre sie selber dort gewesen.

Es sprach sich herum, dass diese Baumfrau mit dem Geweih auf dem Kopf Geschichten aus aller Welt erzählt, und so kamen Besucher von überall her.

Eines Nachts, es war gerade Neumond und darum im Wald besonders dunkel, wurde die Frau mit dem Geweih auf dem Kopf von einem Geräusch aufgeweckt. Sie schlief für gewöhnlich in einer moosbedeckten Armbeuge des Baumes. Sie setzte sich auf, aber sie sah nichts, eben, es war einfach mondlos dunkel. NIcht einmal Sterne funkelten, wo waren sie nur?

Darum musste sie sich auf ihr Hinhorchen und Wahrnehmen verlassen. Ist da jemand? Sie bekam keine Antwort, aber ein kalter Wind blies ihr entgegen. Sie begann zu frieren und und ihr Herz wurde schwer.

Da war eine eisige Kälte, die sie umhüllte und die sich nicht mehr abschütteln liess.

Schnell, steh auf, nun ist die Zeit gekommen! sagte der Baum auf einmal laut und deutlich. Du kannst reden? fragte die Frau mit dem Geweih auf dem Kopf. Ja, schon immer, aber bis jetzt war es nicht nötig.

Oh, wie schön! Also, ich stehe und jetzt?

Halte dich mit einer Hand an mir fest und die andere streckst du weit von dir weg. Spüre mit deinen Füssen den Ast und stehe gut verankert da. Denk nicht mehr an die Kälte, sondern vertraue dem Moment. Und jetzt gehts los!

Aus den Wurzeln des Baumes begann es zu rütteln und zu schütteln. Immer mehr, immer heftiger, als wäre der Baum selber ein Sturm. Es krachte und alte Äste fielen zu Boden. Es war laut, sehr laut und dunkel.

Die Frau mit dem Geweih auf dem Kopf hielt sich tapfer, obwohl ihr Herz bis zum Hals schlug und die Kälte sie steif machte. Auf einmal spürte sie, wie sich etwas auf ihre ausgestreckte Hand setzte und leuchtete. Eine kleine Elbenfrau kraxelte ihrem Arm entlang und setze sich auf ihre Schulter. Und überall, wo sie war, liess sie Wärme durch den Körper der Frau mit dem Geweih auf dem Kopf strömen.

Dieses kleine Elbenlicht brachte so viel Kraft! Der Baum rüttelte immer stärker, aber die kleine Elbe turnte an der Frau mit dem Geweih auf dem Kopf unaufhaltsam herum, so dass sich langsam wieder die Wärme in ihr ausbreitete und sie lachen musste, weil es so lustig war. Und nicht nur das, es keimte eine nie gekannte Kraft in ihr drin, so dass sie sich gut auf dem stürmischen Baum halten konnte!

Die Äste bogen sich nun auseinander. Ja, diese alten, knorrigen Äste konnten sich bewegen! Und aus der Mitte des Stammes zwängte sich etwas Rundes hervor. Ist das der Mond, der da wieder geboren wird?

Wieder krachten alte Äste mit lautem Getöse zu Boden und andere ächzten und stöhnten so laut, dass es Angst machte.

Auf einmal wurde es still. Da noch ein Knacken, dort ein leises Ächzen, aber sonst war es ganz ruhig. Nichts bewegte sich mehr, aber überall lagen Äste, Zweige und Moos herum, es war ein riesen Durcheinander. Die Frau mit dem Geweih auf dem Kopf schaute mit wildpochendem Herzen in das helle, wissende Gesicht der Elbe und diese zeigte mit ihrem kleinen Zeigefinger nach oben. Beide hoben den Blick und sahen……

…… eine riesige Rahmentrommel. Bespannt mit einer kristallinen Haut, gehalten vom Holz des Baumes.

Spiel! befahl der Baum. Sorgfältig legte die Frau mit dem Geweih auf dem Kopf ihre Finger auf die kristalline Haut und es begann augenblicklich zu klingen. Sie konnte damit nicht aufhören, bis der Himmel langsam hell wurde und die Vögel miteinstimmten. Ein wunder…volles Konzert klang durch den Wald. Und noch lange, lange lag der Klang in der Luft, obwohl die Frau mit dem Geweih auf dem Kopf gar nicht mehr spielte.

Der Baum sah nun ganz anders aus, denn in der Krone trug er, statt der Äste, eine wundersame Trommel.

Viele hundert Jahre war der Baum wortlos, nun trägt er eine Stimme in seinen knorrigen, alten Ästen. Eine Stimme, die aus den Wurzeln heraufklingt und von der Erde erzählt. Und eine Stimme, die aus den Räumen zwischen den Sternen zu ihm schwingt und von der kristallinen Haut empfangen wird.

Und die kleine Elbe? Sie blieb bei der Frau mit dem Geweih auf dem Kopf und dem Baum und verwandelte sich von Zeit zu Zeit in Sternenstaub, denn von den Sternen kam sie einmal her. So brachte sie die Trommel samt ihren Geschichten zum Leuchten.

Nun waren sie zu viert. Der Baum, die Frau mit dem Geweih auf dem Kopf, die Elbe und die Trommel, und sie liebten Besuch. Sie kümmerten sich liebevoll umeinander, denn sie wussten, sie alle waren wertvoll.

Und darum, wenn du, liebe:r Leser:in in deinem inneren Wald spazieren gehst, könnte es sein, dass du auf ein riesen Durcheinander triffst oder dass es dunkel wird oder gar stürmt. Setz dich hin und erspüre mit deinen Füssen die Erde, spüre die Verbundenheit mit ihr. Schliesse die Augen und atme mit allem, was ist.

Vielleicht vernimmst du auf einmal kristalline Klänge aus deinem inneren Lebensbaum. Dann schau nach oben und staune, was siehst du? Eine Frau mit einem Geweih auf dem Kopf, die dir von der Erde und dem Himmel erzählt und die dich an deine wahren Gaben erinnert? Oder du freust dich einfach über den Sternenstaub, der in der Sonne glitzert? Halte inne, denn du bist gemeint und willkommen……… zu lauschen, dich zu wundern, zu leben, zu lieben und zu leuchten mit all deinen Gaben.

Ja, Gaben, jede:r von uns hat sie! Doch haben wir auch den Mut, sie zu zeigen? Oder gar darüber zu reden? Hm. Schau in meine Homepage, http://weltenwind.ch unter Aktuelles findest du ein lustiges Gespräch mit Petra. Sie ist Kundalini Yogalehrerin und so inspirierend!

Ich grüsse dich von Herzen fest und danke dir, dass du dieses Märchen gelesen hast. Ich klatsche in die Hände und verteile Sternenstaub vor Freude! DANKE!! Und ich freue mich über deine Gaben!

Iris

Die Kraft der Zartheit

Nebel steigt langsam aus dem Tal, so als würde er sich von Baum zu Baum den Berg hinauf hangeln. Er taucht alle schroffen Kanten in weiche Linien. Zartheit breitet sich aus.

Alles ist milchig weiss, nur noch die zarten Verläufe der Äste bewegen sich vor meiner Nase. Die Bäume werden lebendig. Es sind Wesenheiten, die nicht mehr ruhig und gelassen dastehen. Je länger ich sie betrachte, desto lebendiger werden sie. Die Zartheit des Nebels hüllt sie ein und ihr ureigener Ausdruck nimmt die Gelegenheit wahr, sich zu zeigen.

Die Bewegungen sind langsam und fliessend. Raum und Zeit verschwinden, sie wirken so frei!

Da neigt sich die Eiche mit ihren starken, verwinkelten Armen sanft zu der noch jungen Kastanie, deren Finger schnurgerade in den Himmel zeigen. Und da beginnt der Tanz. Zart berühren sie einander und flüstern sich geheime Worte zu. Diese Klarheit in ihren Bewegungen, diese Eleganz, dieser Frieden des Miteinanders, es ist eine einzige Einladung, mich ihnen anzuschliessen.

Mit meinen Händen und Armen, ja mit meinem ganzen Körper versuche ich ihren Linien zu folgen, ganz leise, ganz achtsam, der Baummelodie folgend. Ich verspüre den Wunsch wie sie zu sein. So sicher in dem, was sie tun, so verankert in ihrem Sein. Zweifeln sie denn niemals?

Wie schaffen sie es ihre Liebe, ihr Leben ganz und gar dem Sein zu widmen?

Sie lassen Wind und Wetter einfach zu. Ich sehe ihnen an, wie ihre Äste sich genau deswegen unaufhaltsam einen Weg in ihr Wachstum suchen. Ich staune über diese Schönheit und lasse mich von ihr mitnehmen. Da! Ich spüre ein Pulsieren in diesen lebendigen Wesen….ja, ich bin ganz sicher! Mit aller Kraft und Zartheit wollen Knospen einen Weg ans Licht finden. Diese Kraft und Unbeirrbarkeit!

Ich werde still. Ich nehme meine Astarme nah zu mir. Spüre den Lebenslinien nach, die mich in den letzten Jahren berührt haben. Bin ich ihnen mit Zartheit, Wohlwollen und Achtsamkeit begegnet? Mein Herz erinnert sich an wunderschöne, berührende Begegnungen. Aber auch an verbissenes Kämpfen, an Misstrauen und Ablehnung.

Der Winter geht bald zu Ende und der Frühling steht vor der Türe. Es ist genau die richtige Zeit, Abschied von den letzten verrückten Jahren zu nehmen. Ich wünsche mir, dass ich es schaffe, mit jedem Frühling, den ich erlebe mit Verständnis, Liebe und Annahme darauf zurückzuschauen.

Aber jetzt lasse ich mich erstmal von der Zartheit des Nebels einhüllen, auf dass ich wieder den Mut finde mich in meinem Sein zu finden und mich endlich frei zu bewegen.

Was kitzelt mich da in meinen Händen? Kann es sein, dass sich da mutigzart die ersten Knospen melden?

Bald gibt es auf http://weltenwind.ch neue Kurse, schau nach, vielleicht hat es auch etwas für dich dabei?

Der erste Frühling kommt!

Ich grüsse dich mit der Kraft der Zartheit

Iris