Ein Schubs von meiner Seele

Den Schubs von meiner Seele habe ich deutlich gespürt…. als es schon zu spät war.

Aufgelöst von den Gefühlen, die mir das Leben gerade beschert hatte, malte ich ein Minutenbild nach dem anderen. Schnell, ohne nachzudenken oder mich in Details zu verlieren.

Und dann geschah ein kleines Wunder. In dem ganzen Wirbeln schaute mir auf einmal so ein schräger Vogel aus dem Bild entgegen und zauberte mir ein Schmunzeln ins Gesicht.

Weggeblasen ist alle Schwermut, während ich dem frechen Kerl in seine viel zu grossen Augen schaute.

Komm, ich zeig dir was.

Oh, und sprechen kannst du auch?

Mach den Mund zu und nimm meine Hand.

Aber du hast doch gar keine….

Wie gesagt, sei still und folge mir.

Also keine Fragen, kein Grübeln mehr, nur eine Einladung annehmen, die wie eine Forderung klingt. Ok, was soll’s. Es kann ja nur besser werden. Vermutlich ist es ein Schubs meiner Seele.

An der Hand dieses Wesens verliess ich den vertrauten Ort an meinem Ateliertisch und ging mit ihm nach draussen in den Garten. Durch das kleine Gartentor wieder hinaus auf den Feldweg. Wir überquerten eine Brücke, die über einen wilden Bach führte, bogen ab und folgten einem unsichtbaren Pfad in den Wald hinein. Schon bald ging es steil bergauf, wir stolperten über Wurzeln und Steine, liessen uns von alten Tannen und deren Harzduft betören, kletterten unter umgefallenen Bäumen hindurch, so,dass die harte Rinde unsere Rücken massierte. Wir berührten mit den Händen den weichen Waldboden und schauten wieder zu den Wipfeln, weil da oben etwas erklang. Nach diesem Fest der Sinne traten wir wie frisch geduscht wieder aus dem Wald.

Vor uns lag, eine Wiese, die sich bis zu einem Berggipfel hinaufzog. Ich schaute fragend in die grossen Augen des Vogels. Dieser hielt seinen Kopf schief und fragte zurück, ohne zu sprechen. Aha, ich verstand, die Reise geht bis zum Gipfel.

Er nahm meine Hand fester und wir folgten dem Weg, der in Schlangenbewegungen den Berg hinaufführte. Mit jedem Schritt wurde es mir leichter um mein Herz. Jeder Atemzug, fühlte sich trotz der Anstrengung freier an. Es kam mir vor, als könne ich eine einengende Haut abstreifen.

Zwischendurch wollte ich stehenbleiben und zurückschauen, aber mein Bergführer liess es nicht zu. Also stapften wir Hand in Hand weiter. Auch hätte ich mich gerne über meine Befindlichkeit ausgetauscht. Aber er schaute mich einfach nur an und ich wusste Bescheid. Mund halten.

Als wir endlich oben ankamen, setzten wir uns auf einen grossen Felsbrocken und ich schaute mich seufzend um. Was für eine Aussicht! Mir verschlug es fast den Atem. Dann sah ich hinunter zum Dorf, wo ich lebte. Ich sah mich in meinem Leben herumwuseln, sah, dass mein Leben wie ein Dorf war. Mit Gärten und Strassen, Häusern, Familie, Freunden und Nachbarn, einer Schule und Läden, nur war dies alles mein Leben. Ich sah, wie ich mich eben verirrt hatte und mein Zuhause suchte.

Ich hob den Blick und liess ihn in die Ferne schweifen. Meine Schultern berührten das weiche Federkleid des Vogels, wir blickten uns an und er musste mir nicht mehr sagen, dass ich schweigen soll. Ich habe verstanden. Das eigene Leben einmal von oben zu betrachten, lässt vieles klar werden. Aha! Was für ein wertvoller schubs meiner Seele, danke!

Zufrieden schaute ich umher und war in Gedanken schon am Neuordnen meines Lebens. Wenn ich wieder bei mir zu Hause bin, dann……. ich war schon in Vorfreude!

Aber da hörte ich den Vogel laut und deutlich sagen: Flieg!

Was soll ich?

Mund zu und los!

Aber ich kann doch gar nicht….

Flieg einfach und vertraue dir!

Was? Nein! Ich schaue entsetzt in seine viel, viel, viel zu grossen Augen. Komm mit und gib mir wenigstens deine Hand!

Da spürte ich einen echten Schubs, sanft, bestimmt und voller Liebe. Ich aber fand es gar nicht lustig. Schnell breitete ich meine Arme aus, als hätte ich Flügel. So ein Mist, ich habe doch gar keine! Oje, ich stürze ab! Das kann nicht sein, bald bin ich tot und ich kann meine neu gewonnen Erkenntnisse gar nicht mehr umsetzen. Neineinein! Ich will nicht sterben, ich will leben!

Dann flieg doch! Sagte der total schräge Vogel, der seelenruhig neben mir herflog.

Du kannst gut reden, du hast Flügel!

Du auch! Flieg schon, schau, der Boden kommt schnell näher. Vertrau dir doch endlich. Mit seinen viel zu grossen Augen schaute er mich liebevoll an.

Vertrauen?!? Ich. Soll. Mir. Vertrauen?!?

Die Tannenspitzen kitzelten mich schon an meinem Bauch und ich nahm den Duft des Waldes wahr. Ich atmete das Unmögliche tief ein und beim Ausatmen breitete sich eine Kraft in mir aus. Sie erfasste mich ganz und gar, verlieh mir Flügel. Ich spürte den Himmel über mir, wo Millionen von Sternen sein mussten, jetzt aber die Sonne mir entgegenblinzelte. Wie durch ein Wunder hob mich diese Erinnerung in die Luft. Ich vertraue diesem Zusammenspiel von Himmel und Erde. Ich bin ein Teil davon und…. so ein Universum ist auch in mir! Sich nicht zu vertrauen ist, als würde man dies alles in Frage stellen.

Wer bist du eigentlich?, frage ich den frechen Schubser endlich.

Ja, wer wohl? Wer hat mich gemalt?

Was? Du bist ich?

Ja und nein. Ich bin ein schräger Vogel, von dir beseelt und zusammen machen wir uns auf den Weg des Vertrauens.

Mit klopfendem Herzen landen wir wohlbehalten auf, eh, an meinem Ateliertisch.

Ich schaue das Bild mit dem lustigen Vogel an und schüttle ungläubig den Kopf. Ich kann fliegen!

Das war ja eine Reise! Ich wünsche dir, dass dich deine Taten, Gedanken und Schöpfungen, die aus deinen Tiefen kommen, genauso überraschen und dich zum Schmunzeln bringen, so wie sie es für mich in dieser Geschichte taten. Ich glaube fest daran, dass diese stille Freude, die wir tief in uns selber spüren, uns stärkt und Vertrauen schenkt.

Einen herzlichen Gruss von den Winden, die Geschichten aus den Welten zu uns wehen und von den vielen Bewohner:innen dieser Erde und natürlich auch von anderen Sternen erzählen.

Iris

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M…ein Bild

Ja, das ist m…ein Bild. Ich habe es zum Fotografieren auf meinen Ateliertisch gelegt, um sichtbar zu machen, dass es mit dem Alltag verwoben und lebendig ist. So kannst du sehen, dass es „nur“ ein Bild ist.

Ich habe es mit Pigmenten gemalt und Eitempera war das Bindemittel. Also alles natürliche Materialien. Es war eine Herausforderung, mich mit dieser, für mich neuen Technik auseinanderzusetzen.

Zum Glück war ich von Anfang an mit meinem Sujet ganz nah in Kontakt. Es ging darum zu erzählen, dass sich ein Kreis geschlossen hat und ich nun parat war für einen weiten Flug über Täler, Gewässer, Felder, Wälder und Berge. Ja, ich fühlte mich wie eine fliegende Wildgans auf ihrem weiten Weg in den Süden. Oder zurück zum Heimatort? Welches ist nun die wirkliche Heimat? Hm.

Da war Magie, ich spürte es ganz genau. Ich wollte weiter, immer weiter die Länder des Unbeschreiblichen erkunden. Ich war bereit für eine lange Reise und wünschte mir, dass mich dieser Vogel mitnahm, in dieses Neue, längst Vergessene. Die Vorfeude war riesengross!

Meine Absicht, mich zu erinnern war riesengross! Aber woran will ich mich denn erinnern? Und wenn es mir Angst macht, was ich da entdecken werde?

Egal, ich hatte mich entschieden. Ich wollte dahin, ich wollte sehen, ich wollte erfahren, ich wollte wahrnehmen, ich wollte erinnert werden! Dazu brauchte ich Mut und darum erzählte ich kaum jemandem etwas davon.

Meine Entschlossenheit war so gross, dass mir dieser Vogel sein Gesicht zeigte, während meines Fluges, so dass ich so ein wunderschönes, befreiendes Gefühl der Freude erlebte.

Ich flog und sah die Erde. Ich malte und spürte die Erdenkraft in den Pigmenten und das Erinnern kam immer näher. Ich war eins mit dem Bild und seiner Magie, hörte seine Melodie und vergass…..

…..dass es nur ein Bild war. Ich zeigte es begeistert ein paar Menschen und in ihren Gesichtern las ich Unverständnis. Und jemand sagte zu mir, willst du damit Angst machen? Was?! Nein! Es erzählt doch nur von der Freiheit und der Freude die vielen Aspekte des Lebens zu entdecken! Ich habe etwas abgeschlossen und will mich für das Neue nicht einschränken!

Vielleicht erkennst du nun, warum ich dieses Bild auf meinen überfüllten Ateliertisch gelegt habe und warum ich es m…ein Bild genannt habe. Bis vor Kurzem stand es auf einer Staffelei, überdeckt von anderen Bildern. Ich habe einmal ein Foto von ihm gemacht und den Vogel einfach ausgeschnitten. Du kannst ihn auf meiner Homepage entdecken. Aber so richtig zu ihm gestanden bin ich nicht mehr.

Aber jetzt….. nämlich genau jetzt, mache ich aus m…einem Bild MEIN BILD!

Jetzt, heute will ich dieses unheimliche, unverständliche Bild verwandeln. Ja, ich kann das!, indem ich meine Sichtweise darauf ändere. Schau genau hin, es wird zu einem magischen Bild, das von Abenteuer und Freiheit erzählt, von Aufbruch und Erinnern, von Leichtigkeit und Neugierde und von Ernshaftigkeit und Wissen. Jetzt!

Mein Bild ist eigenwillig, es gefällt nur wenigen Menschen. Aber es ist ganz und gar von mir und darum wunderschön!

Ich liebe es und bin sehr stolz darauf. So. Ich verstecke von jetzt an weder das Bild noch mich.

Es ist nicht mehr m..ein Bild.

Es ist MEIN BILD!

Oh, es braucht Mut, zu sich zu stehen und in letzter Zeit hatte ich ein paar mal die Gelegenheit, mich hinter dem Angepasstsein zu verstecken. Nein! Mit jedem Mal, wenn diese Herausforderung auf mich zukommt, kann ich üben.

Und das möchte ich dir ganz fest ans Herz legen. Verbiege oder verstecke dich nicht. Und kommuniziere dies liebevoll. Es ist so befreiend es nicht mehr zu tun.

Ja, das Sichtbarwerden macht dich aber auch verletzbar. Du wirst missverstanden, abgelehnt und du wirst dich manchmal traurig und einsam fühlen. Das ist der Moment, wo du beginnen kannst, dich in aller Ruhe zu erinnern. Hole Bilder aus deinem inneren Archiv hevor, in denen du schon mutig warst und liebevoll für dich eingestanden bist. Spüre nach, wie DU dich dabei gefühlt hast. Feiere DU dein Mutigsein und nicht die Reaktion der anderen darauf. Ich bin sicher, irgendwann spürst du dein Herz jauchzen. DAS ist DER Moment des Erwachens und das ist unbeschreiblich schön!

Das Jahr geht dem Ende entgegen. Ein Kreis von vielen schliesst sich. Breite deine Flügel aus und fliege los, um deine Länder zu erkunden. Sie sind voller Überraschungen, Kreativität, Liebe und Leben. Sei mutig und stehe zu ihnen, es wird dich mit Freude erfüllen. Diese Fülle ist der Motor für dein authentisches SEIN.

Ich freue mich auf nächstes Jahr, wenn ich dir wieder Geschichten erzählen kann, die die Winde von den Welten zu mir und dann zu dir bringen.

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Ich grüsse dich von Herzen fest und wünsche dir eine sternenfunkelnde Weihnachtszeit!

Iris

Und übrigens:

Du fragst dich sicher, was denn aus meiner Reise geworden ist. Die habe ich über alle Umstände hinweg nicht aufgegeben. Ich bin losgezogen und bin immer noch unterwegs. Denn dieses Unbeschreibliche, Vergessene (ja, wir alle wussten schon einmal darum) und Wiederentdeckte ist ein Universum, dessen Erkundung nie ein Ende haben wird und ich werde nicht müde, davon zu berichten.

Immer am 3. des Monats erscheint mein Blog. Es gelingt mir leider nicht, einen Link zum Abonnieren zu setzen, WordPress hat grad irgendein Problem. Darum logge dich bei http://hinterdertrommel.com direkt ein oder schaue bei meiner Webseite vorbei.

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Und hier noch eine kleine Überraschung: Eine kurze Geschichte, die ich einmal über ein Bild geschrieben habe. Viel Freude beim Lesen!

Feuer

Dieses Feuer! Das Bild ist vor etwa zehn Jahren entstanden, ich kann es kaum glauben. Ganz still nur für mich.

Damals habe ich mir eine Aufgabe gestellt. Es war an einem heissen Augusttag im Tessin. Es ging langsam auf Neumond zu und ich spürte, dass mir mit diesem Neuanfang etwas Wichtiges bevorstand.

Seit dem Vollmond wurde ich immer nervöser, denn da brannte ein kleines Feuer in mir, eine Idee, die mich nicht mehr losliess und die, wenn ich sie verwirkliche, Einfluss auf meinen Alltag haben würde. Das klingt dramatisch, so, als würde ein, mein Leben wie eine Socke umgestülpt werden. So arg war es doch wieder nicht.

Und doch: hast du dir schon mal selber ein Versprechen gegeben? Nur dir, ohne dass jemand davon wusste? Es hat also keine Konsequenzen, wenn man es nicht einhält, es ist ja „nur“ eine Abmachung mit sich selbst. Es wird niemand zu Schaden kommen, sollte ich scheitern, nur ich würde meinem Zweifler Nahrung geben.

Doch da war dieses Glühen, tief in mir drin, das langsam zu einem dringenden Licht wurde. Schon bald züngelten kleine Flämmchen und bei Neumond, war das Feuer da. Ich stellte mich in diesem Kastanienwald, den ich schon seit meiner Kindheit gut kenne, schaute hinauf zu den Bergspitzen, sah weiter in den Himmel zu den Sternen und sagte laut: Ja!

Und dann gings los: Ich malte jeden Tag ein kleines Bild. 13 Mondinnen lang, von Neumond zu Neumond, 384 Bilder.

Es war spannend mit den Mondphasen zu gehen. Dieses Auf und Ab zu spüren, diese Wellen, die das Leben ausmachen. Ein Feuer, das mal laut und dann wieder leise war, mal heiss und gross und dann wieder klein und glühend. Aber ausgegangen ist es nie! Dazu kam das Staunen: nach 365 Tagen, war zwar das Jahr um, nicht aber der Mondzyklus. So begann ich, die Zahl 13 zu erkennen, ein wahrer Schatz!

Zu erleben, wie ein Alltag aussieht, wenn da unbedingt ein Platz eingefügt werden will, für ein kleines unwichtiges, aber für einem selber sehr dringendes Ereignis. Sich hinsetzen, ruhig werden, hören, fühlen, tasten, schaffen, schöpfen….. jeden Tag.

Es kam mir vor, als wäre da eine eigene Wesenheit, die nach mir rief damit ich mich mit ihr befasse. Es war ein Austausch mit mir selber ohne Druck von Aussen. Ein Date mit meinem Inneren, was für ein Abenteuer!!

Ich staunte wieder, ich hatte es geschafft. Ich war voller Freude aber auch ein wenig traurig. Und jetzt? Dieses Feuer erlöschen lassen?

Nein! Es kündigte sich schon die neue Idee an, die auch bald in Tat umgesetzt wurde:

Ich schnappte mir eines meiner Bilder und schrieb eine Geschichte dazu. Und du, wie du jetzt die Entstehungsgeschichte meines Blogs liest, kannst alle Geschichten finden, wenn du immer weiter nach unten scrollst.

Und heute, heute musst du für die Feuergeschichte nicht mal nach unten scrollen. Du kannst sie hören!

Ich teile mit einer anderen Geschichtenerzählerin einen You Tube Kanal. Und von jetzt an kannst immer am 30. des Monats ein Geschichte von mir hören, ich lese sie dir vor. Ein Jahr lang…….. 😉

für…….

Und wieder kann ich es kaum glauben, was aus einer Idee alles entstehen kann. Ist das alles wegen Neumond oder was ist jeweils vor einer Idee? Weisst du eine Antwort?

Wie ist es bei dir? Welche Feuer hast du in dir wahrgenommen und wollen von dir ganz allein gesehen werden, bis sie vielleicht nach vielen, vielen Jahren für andere sichtbar werden?

Ich wünsche dir die Kraft, leise zu beginnen, dein Feuer zu zu nähren und zu pflegen, auf dass es dir und zu Beginn nur dir Freude bereitet!

Gerne helfe ich dir beim Entfachen. Genauso einfühlsam und und voller Freude, wie du es brauchst, um mutig zu leuchten. So, wie ich es selber erlebt habe.

Ich freue mich auf dich und grüsse dich von Herzen fest!

Iris

http://weltenwind.ch

Und….. natürlich freue ich mich auch von dir zu hören und zu lesen, wie dir die Geschichte gefallen hat……