Formlos

Formlos

Alles ist gleichzeitig.

Nun weiss ich, wie es sich anfühlt erfüllt zu sein, aber alle mir üblichen Transportmittel, dies zum Ausdruck zu bringen, greifen nicht mehr.

Ich finde keine Worte. Und wenn, dann klingen sie für meine Ohren flach.
Ich finde kein Bild. Ja, vielleicht die Farbe, aber die Form dazu überzeugt mich überhaupt nicht.
Der Lehm ist mir zu kalt und der Faden findet sich höchstens in ein paar linkischen Maschen einer Socke wieder.

Was soll es also sein, um zu beweisen, dass ich im Fluss des Lebens bin? Womit kann ich angeben? Wo ist mein geniales Resultat?

Ah, vielleicht habe ich ja nur einen Stau, einen Wirkstau. Und darum keine Wirkung……. im Aussen.

Das wäre schlichtweg gelogen. Da ist überhaupt kein Stau. Es funkelt, braust und saust, es schnattert die Stille und klingt leise die Fülle mir Bewegungen in den Alltag, die partout in keine Form gebracht werden wollen.

Da bin ich nun, verdrehe die Augen und seufze. Wie findet man Frieden mit seiner Formlosigkeit?

Frieden.

Auf einmal werde ich sehr grosszügig. Ich ermutige mich zur Freigiebigkeit. Ich bewundere meine Ausdauer, furchtlos mein Wohlgefühl nicht in eine unspassende Form zu quetschen.

Sondern voller Leidenschaft mein von Leben erfülltes Sein in die Welt hinaus zu blinzeln.

Meine Spur

Meine Spur

Langsam erwache ich aus meinen Träumen.

Blinzelnd schaue ich in den frühen Morgen. Und, obwohl es noch dunkel ist draussen, ist es hell. Träume ich? Nein! Es hat geschneit.

Hell und dunkel
Winter und Frühling
Hier und dort
Traum und Wirklichkeit
Ich und du

Sind das Gegensätze oder ein und dasselbe?

Je nach dem, wen ich frage, bekomme ich verschiedene Antworten. Und was sage ich dazu?

Unterdessen ist es Mittag. Ich stapfe in der Märzsonne über ein schmelzendes Schneefeld. Nachdenklich, nach Antworten suchend hinterlasse ich meine Spur.
Längst ist mir klar: Gegensätze sind in mir drin. Sie machen mich ganz kribbelig, ungeduldig, ja ärgerlich. Nun beginne ich auch noch mit mir zu schimpfen, so halblaut in die klare Luft hinaus.

Wieviele Stimmen sind eigentlich in mir? Ich horche in mich hinein und vernehme mein eigenes Lebenskonzert. Oder höre ich die Geräusche der Natur?

Innen und aussen….. sind das keine Gegensätze?

Ich lasse all das Flüstern, Rauschen, Zwirbeln, Knacken, Leuchten und Donnern durch mich hindurch klingen. Und meine Füsse tragen mich durch diese Welt.

Auf dem Heimweg begegne ich meinen eigenen Spuren. Ich stelle mir vor, wie es wäre, wenn ich mir selber nun entgegen käme.

Ich bleibe stehen.

Ich schaue mich an.

Mein Gesicht hellt sich auf.

Ich strecke meine Hand aus und frage:

Machen wir Frieden?

Schneesturm

schneesturm

Ein Schneesturm im Kopf gibt weisse Antennen.

Wie oft fegt ein eisiger Wind durch die Gedanken, lässt das Festgedachte einfrieren und das Lose wegfliegen?

So wird alles irgendwie unfassbar.
Wo ist der Anfang und wo das Ende?
Festgefroren und weggeblasen.

Da stehe ich mit kalten Händen und weiss nicht, wo anpacken.

Schnell stecke ich sie in meine Manteltaschen, ziehe die Schultern hoch, drehe mich gegen den Wind und stapfe davon. Aber in diese Richtung wollte ich gar nicht! Eigentlich geht mein Weg genau gegen den Wind.

Der Weg zur Quelle führt gegen den Strom.
Gilt das beim Wind auch?

Ich drehe mich um, Schneeflocken stechen mir ins Gesicht. Ich nehme mein Halstuch über die Nase, ziehe die Kappe tief ins Gesicht.

Wo ist mein Weg?

Langsam wird es dunkel, wo will ich hin?

Da spüre ich ein Grümscheln in meinem Bauch. Es breitet sich aus wie ein Feuer. Ich bin wütend. Ja, so richtig. Immer mehr und mehr, bis ich das Gefühl habe, eine Eisbärin zu sein. Die Hände reissen sich aus den Taschen. Mein Kinn befreit sich vom Halstuch und die Kappe fliegt davon.

Ich brülle! Immer lauter. Scheeflocken fliegen in meinen Mund. Ich spüre keine Kälte mehr. Mein Gesicht glüht. Alle Gedanken tauen auf und werden vom Schneesturm weggefegt.

Ich öffne die Augen und setze mich heftig atmend in meinem Bett auf. Schnell greife ich in meine Haare. Sie sind nicht weiss…….schade.

Es ist mitten in der Nacht und ich habe Eisbärinnen-Kräfte.

Orientierung

Orientierung

Neu geboren zu werden, ist gar nicht so einfach.

Alt und Neu vermischen sich und die Orientierung will wieder gewonnen werden. Wo bin ich da nur gelandet?

Ich kenne doch alles und doch nicht mehr. Alles ist gleich wie früher und doch sehe ich es mit einem anderen Blick.

Du bist du und ich bin ich.
Du bist ich und ich bin du.
Du bist ich und du und ich bin du und ich.

Ich bin da auf dieser Welt und du auch. Wir kennen unsere Namen und sind uns doch sehr fremd.
Ich kenne dich ohne dich zu kennen, weil ich weiss, dass es dich gibt.
Und mich gibt es auch und, weil es euch alle gibt, freue ich mich eine unter euch zu sein.

Und wenn ich noch lange so hin und her Wörter zusammenreime, merkt ihr, dass die Orientierung wirklich abhanden gekommen ist.

Neugeboren lasse ich mich treiben. Nehme dankend die Geschenke, die  die neue alte Welt mir offenbart. Sie bringen mich zum Lachen, zum Weinen, zum Tanzen, zum Fliegen, zum Nachdenken, zum Wegrennen und zur Wut, zum Kämpfen und  zum Geschehenlassen und zum Singen und zum Lieben.

Ich bin auf der Erde gelandet und wachse in den Himmel.
Wie die Pflanzen, die Tiere und du!

Ei ei ei …

Eieiei

Langsam, langsam schäle ich mich aus meinem Ei.

Lange habe ich darin gewohnt, mir mein Leben eingerichtet. Es war schön darin. Ungern verlasse ich das Bekannte.

Keine Angst! Ich werfe nicht alle über den Haufen und lasse Liebgewonnenes hinter mir, nein, nein.

Ich glaube es geht eher um die harte Schale, ganz nah um mich herum.
Mein Herz, meine Kraft, mein Leben wollen sich ausdehnen.

Ich atme tief ein und ganz laut wieder aus. Ich stosse sanft mit dem Kopf durch den Riss in meiner Schale. Oh! Wie hell ist es da draussen!
Meine Füsse spüren den harten Rand, meine Arme und Hände verschaffen sich kräftig Platz.

Ich bewege mich in alle Richtungen, ich tanze, ich stampfe, ich drehe mich im Kreis, fliege wie ein Propeller.

Es kracht. Lauter kleine Stücke fliegen durch die Luft und fallen wie Sternschnuppen auf die Erde.

Ich sehe den weiten Himmel über mir, die starke Erde unter mir. Ich spüre das Feuer in mir, und der Wind weist mir die Richtung.

Einmal mehr fühle ich mich wie neu geboren. Ich suche meinen Weg und er-finde ihn immer wieder neu.

Ich lebe!

Wachsen

Wachsen

Jetzt gehts los! Auf zu neuen Ufern. Das Alte hinter sich lassen und mit wehenden Fahnen in die Zukunft segeln.

Wenn das so einfach wäre. Worte sind fies und gemein. Sie übermitteln einem in Sekundenschnelle Bilder – und diese schlüpfen dann in eine der diversen Schubladen in unserer Gefühlsküche. Und manchmal fliegen sie direkt in die Pfanne, wo sie gekocht, mit alten Gedanken gewürzt und dann mit Heisshunger gegessen werden.
Und schon stellen wir uns vor, was dann mit uns passiert. Ist das Gebräu bekömmlich oder unverdaulich? Kann ich daran wachsen oder sterbe ich einen weiteren Tod auf meinem Lebensweg?

Also nein, so geht das nicht! Ich beginne nochmals von vorn:

Los gehts! Mit wehenden Fahnen erkunde ich das neue Unbekannte. Die Abenteuerlust ist noch im Handgepäck, aber ich bin sicher, wenn ich dann mal unterwegs bin, wird sie mich noch ganz erfassen.
Und was ist, wenn ich gar nicht auf Reisen gehen will? Wenn es mir genügt Blume zu sein, die wächst, gedeiht, erblüht und wieder verwelkt? Ist das Abenteuer genug?

Wo sind nun alle weisen Ratschläge? Weg? In Luft aufgelöst? So wie mein Drängen und Sehnen, wie mein Rückwärtsmarsch und Widerständigsein? Ich merke schon, da ist nichts mehr.

…

In der Ferne sehe ich viele Punkte. Ich kann nicht erkennen, was sie bedeuten. Aber das macht nichts. In mir breitet sich eine freudige Gewissheit und Ruhe aus. In meiner ureigenen Zeit werde ich einen dieser Punkte berühren und ein ganzes Universum wird sich mir zeigen.

Bis dahin ……

…………wachse ich, gedeihe ich, blühe ich, verwelke ich….wachse ich, gedeihe ich, blüh…

Und nähre mich vom kraftvollen Puls der Erde.

Veränderungen

Veränderungen

Ui, nein!
Es ist passiert und jetzt fühle ich mich ganz durcheinander.
Ich habe gesucht und eine Antwort bekommen.
Und nun weiss ich nicht, wie ich damit leben soll.

Ich mag sie einfach nicht, die Veränderungen.
Wie schön ist es doch, sich auf immer Gleichbleibendes verlassen zu können? Aber nein, genau dann, wenn man auf das Gewohnte zählen möchte, verändert sich dieses oder ist auf einmal nicht mehr da. Fort! Weg! Da kann ich poltern, stampfen, rufen, heulen, wie ich will. Es kommt nicht mehr zurück.
Da kommt mir jeder Humor abhanden, die Gedanken sind trüb und die Ohren verklemmt.

Und dann? Was nimmt den ganzen Platz ein, der nun frei wird? Genau! Das Selbstmitleid. Die Anklage an das Leben. So habe ich es mir aber gar nicht vorgestellt! Könnte bitte mal alles nach m e i n e n Plänen laufen!

Ich schaue in den Spiegel und mustere mich vorsichtig. Du und ich, wir sind eins und manchmal ganz viele. Vor allem eine mit ganz vielen Gefühlen, Vorstellungen, Wünschen und Talenten …
… das Leben so zu nehmen, wie es ist …
oder es zu verändern.

Ich mag Veränderungen nicht, sie machen mich traurig.

Und jetzt, wenn ich so in den Spiegel schaue, erkenne ich eine Wildnatur neben mir. Komm, sagt sie voller Unternehmungslust und schaut mir durch den Spiegel in die Augen,
fest, klar und entschossen.

Komm, sagt sie, wir machen aus Scheisse Gold!

Singen

Singen

Schubidu dubiduba!

Singen ist etwas Wunderbares. Es geschieht so viel in einem drin, ohne viel zu tun. Singen ohne Worte, einfach drauflos Lautmalern in eigenen Harmonien.

Mmmmmigulahu mmmmmi zabirrgolo.
Ich glaube, das ist gesund. Ja ich würde sogar sagen, es ist Medizin. Etwa so, wie einen Liebesbrief zu erhalten.
Da beginnen die Saiten in einem zu schwingen, bis ein ganzes Orchester die Lebenssäfte zum Fliessen bringt.

Eingepackt im Körper hüpft das Herz umher, nimmt Beine und Arme mit, lässt Füsse und Hände den Rhythmus klopfen.
Und was ist denn das? Das Becken wippt heimlich mit und die Schultern wollen von einer Schwere nichts mehr wissen.
Und der Kopf? Unbeteiligt thront er auf der ganzen Geschichte, entlässt tausend Bildergedanken absichtslos in die eigene – für alle andern unsichtbare – Welt.

Laliba lubalalei, so praktisch, schabuliduduuu, gibt es eine Türe ins eigene Land, vuriallutuda … nur ich kenne sie. Sie ist für mich alleine bestimmt.

Angelehnt an den Türrahmen, auf der Schwelle stehend, wachsen mir Flügel, tanzt mein ganzes Inneres. Und doch: zwischen den Welten ist es endlich still.

Ich bin zu Hause.

Schwelle

Schwelle.jpg

Grenze
Übergang
Überschreiten
Schmerz
Angst
Zurückschrecken
Warten
Lauschen
Atmen
Zögern
Intuition
Innerer Ruck
Druck
Hastig
Unaufmerksam
Noch nie darüber nachgedacht
Handlung des Alltags
Innehalten
Auf der Schwelle
Stehen
Und warten, ob etwas geschieht.
Neuen Raum betreten
Und das Gegenüber kennenlernen
Begrüssen und
Abschied nehmen
Das Bedürfnis nach Verschmelzung
durch Eigenständigkeit ersetzen
Mich trauen,
Räume zu verlassen

Die Schwelle als Hüterin betrachten
Sie begrüssen und innehalten
Den eigenen Puls tanzen
Und die Geheimnisse des Alltags ………….

tagträumen

Tagträumen.jpg

Nachdenklich.
Nachdenklich bin ich.

Mache ich es recht oder bin ich ungerecht? Kann ich es allen recht machen?
Sicher nicht, höre ich euch da rufen, kaum habe ich die Frage gestellt.

Wärt ihr auch einmal gerne rundherum beliebt? Fehlerlos, ohne Pickel oder andere Makel?
Nein, höre ich euch schon wieder, das wäre doch farblos und überhaupt sind diese Fragen realitätsfern und langweilig.

Ja, das ist schon möglich.

Ich schliesse meine Augen und schaue in sie hinein. Ich höre auf die Geräusche um mich herum. Und so vielfältig wie das Gehörte ist, so zahlreich ist das Gedachte.

In solchen Situationen wie eben jetzt wäre ich gerne jemand anderes. Wie sehen wohl die Gefühle  anderer Menschen aus? Was nehmen sie genau wahr? Was denken sie, wenn sie meine Geschichten lesen?

Das Schöne an diesem Spiel ist, es trägt einem fort. Fort von sich, fort von dem Hiersein….. adieu …….. hallo Tagtraum.

Und warum tue ich das? Nur, um der eigentlichen Arbeit auszuweichen.

Da gibt es nur eines: Schnell! Ich brauche einen roten Faden!
Nein, sage ich, nicht um ihm zu folgen.
Ich lege ihn auf den Boden, er ist meine Schwelle.

Ich springe darüber. Ich komme wieder bei mir an. Und jetzt gibt es kein Entwischen mehr.

Hallo, ich kenne dich. Ich habe dich schon mal getroffen.
Ich mag dich, erzählst du mir ein wenig von dir?
Von Aug zu Aug?
Von Herz zu Herz?

Was, jetzt? Ich habe doch zu tun!