Singen

Singen

Schubidu dubiduba!

Singen ist etwas Wunderbares. Es geschieht so viel in einem drin, ohne viel zu tun. Singen ohne Worte, einfach drauflos Lautmalern in eigenen Harmonien.

Mmmmmigulahu mmmmmi zabirrgolo.
Ich glaube, das ist gesund. Ja ich würde sogar sagen, es ist Medizin. Etwa so, wie einen Liebesbrief zu erhalten.
Da beginnen die Saiten in einem zu schwingen, bis ein ganzes Orchester die Lebenssäfte zum Fliessen bringt.

Eingepackt im Körper hüpft das Herz umher, nimmt Beine und Arme mit, lässt Füsse und Hände den Rhythmus klopfen.
Und was ist denn das? Das Becken wippt heimlich mit und die Schultern wollen von einer Schwere nichts mehr wissen.
Und der Kopf? Unbeteiligt thront er auf der ganzen Geschichte, entlässt tausend Bildergedanken absichtslos in die eigene – für alle andern unsichtbare – Welt.

Laliba lubalalei, so praktisch, schabuliduduuu, gibt es eine Türe ins eigene Land, vuriallutuda … nur ich kenne sie. Sie ist für mich alleine bestimmt.

Angelehnt an den Türrahmen, auf der Schwelle stehend, wachsen mir Flügel, tanzt mein ganzes Inneres. Und doch: zwischen den Welten ist es endlich still.

Ich bin zu Hause.

Schlaufen

Schlaufen

Ich war dabei.
Ganz und gar.
Wortmalend, herztanzend, Geschichten redend und mitatmend ging ich durch den Saal.

Dieser Saal ist eine Scheibe. Darauf gehen ganz viele. Die Scheibe dreht sich nicht. Sie ist fest. Ganz fest. Und um alle herum dreht sich die Sonne.

Nun sitze ich da und denke über alles nach. Ich denke und denke. Ich träume und lasse alles Revue passieren. Und nochmals. Und dann nochmals. Die Zeit vergeht, ich sitze immer noch am selben Ort und meine Bilder verändern sich nur langsam.

Da meldet sich die eine Stimme in mir drin, die mir auf die Füsse tritt, ihre Hände an meine Wangen legt und sie rubelt, mir einen Klaps auf den Hintern gibt und meine Hände schüttelt:

  • Haaalllooo! Wo bist du? Siehst du mich? Hörst du mich? Aufwachen! Das Leben geht längst weiter!
  • Ach nein, du blöde Stimme, lass mich in Ruhe!
  • Nein, lass ich nicht. Komm spiel mit mir!
  • Aber sitzen und träumen ist wie spielen.
  • Ja, aber nicht, wenn du dich in vergangenen Schlaufen drehst. Du bist so langweilig!

Ändern. Sosein. Annehmen. Zweifeln. Grübeln. Auseinandernehmen. Reimen. Träumen. Abhauen. Sitzen und  …
warten auf die Stimme, die mir sagt, dass alles in Ordnung ist, so wie es ist.

Ich bin ruhig, ich bin zerzaust, ich übe.

Ich drehe träumend Wunschbänderschlaufen um die feste Erde, die sich dreht mit der Sonne drum herum. Und darauf steht:

ICH BIN
frech
wild
trotzigmotzig
liebevoll
gutgelaunt
lustig
weiblich
alt und jung
tanzend
schwingend singend
klar – zerzaust.
Ja!

Wild

wild

Mit Pfeil und Bogen
pirsche ich durch die Farben.

Ich bin auf der Suche nach Echtem, nach Handfestem, nach klaren Blicken und Worten, nach Mut und Ordnung, nach Blumen mit Düften.

Wild und ausgelassen tanze ich – mit allem, was an meinen Knochen ist – als Osterhäsin.
Niemand hat sie je gesehen, geschweige denn gefangen. Schon gar nicht mit Pfeil und Bogen.

Osterhäsin?

 

Schwelle

Schwelle.jpg

Grenze
Übergang
Überschreiten
Schmerz
Angst
Zurückschrecken
Warten
Lauschen
Atmen
Zögern
Intuition
Innerer Ruck
Druck
Hastig
Unaufmerksam
Noch nie darüber nachgedacht
Handlung des Alltags
Innehalten
Auf der Schwelle
Stehen
Und warten, ob etwas geschieht.
Neuen Raum betreten
Und das Gegenüber kennenlernen
Begrüssen und
Abschied nehmen
Das Bedürfnis nach Verschmelzung
durch Eigenständigkeit ersetzen
Mich trauen,
Räume zu verlassen

Die Schwelle als Hüterin betrachten
Sie begrüssen und innehalten
Den eigenen Puls tanzen
Und die Geheimnisse des Alltags ………….

tagträumen

Tagträumen.jpg

Nachdenklich.
Nachdenklich bin ich.

Mache ich es recht oder bin ich ungerecht? Kann ich es allen recht machen?
Sicher nicht, höre ich euch da rufen, kaum habe ich die Frage gestellt.

Wärt ihr auch einmal gerne rundherum beliebt? Fehlerlos, ohne Pickel oder andere Makel?
Nein, höre ich euch schon wieder, das wäre doch farblos und überhaupt sind diese Fragen realitätsfern und langweilig.

Ja, das ist schon möglich.

Ich schliesse meine Augen und schaue in sie hinein. Ich höre auf die Geräusche um mich herum. Und so vielfältig wie das Gehörte ist, so zahlreich ist das Gedachte.

In solchen Situationen wie eben jetzt wäre ich gerne jemand anderes. Wie sehen wohl die Gefühle  anderer Menschen aus? Was nehmen sie genau wahr? Was denken sie, wenn sie meine Geschichten lesen?

Das Schöne an diesem Spiel ist, es trägt einem fort. Fort von sich, fort von dem Hiersein….. adieu …….. hallo Tagtraum.

Und warum tue ich das? Nur, um der eigentlichen Arbeit auszuweichen.

Da gibt es nur eines: Schnell! Ich brauche einen roten Faden!
Nein, sage ich, nicht um ihm zu folgen.
Ich lege ihn auf den Boden, er ist meine Schwelle.

Ich springe darüber. Ich komme wieder bei mir an. Und jetzt gibt es kein Entwischen mehr.

Hallo, ich kenne dich. Ich habe dich schon mal getroffen.
Ich mag dich, erzählst du mir ein wenig von dir?
Von Aug zu Aug?
Von Herz zu Herz?

Was, jetzt? Ich habe doch zu tun!

Spiegel

Der Spiegel

Soll ich oder soll ich nicht?
In den Spiegel schauen, nicht nur an meiner Fassade hängen bleiben, sondern immer tiefer forschen, immer tiefer gehen, in den Dschungel meines Innern?

Was ist es, was mich ausmacht? Mein Gesicht, mein Gang, wie ich spreche?

Würde ich mich erkennen, wenn ich mir auf der Strasse begegnen würde?
Hallo, darf ich Sie etwas fragen? Ich glaube, wir kennen uns. Irgendwo sind wir uns  mal begegnet. Aber wo?
Ja! Sie kommen mir auch bekannt vor, aber wir haben ja beide schon viele Jahre erlebt, da ist es gut möglich, dass wir uns schon mal getroffen haben. Ich muss nun weiter, ich wünsche Ihnen ein schönes Leben!

Ist die aber ungeduldig! Sie tut so freundlich und wohlwollend, dabei hat sie gar keine Lust dazu. Nein, mit der will ich nichts zu tun haben.
Ich…. ich meine mein Ich und ich sind immer authentisch. Glaube ich. Meine ich. Denke ich. Jedenfalls bin ich es oft oder manchmal auch fast gar nicht. Merke ich.
Was geschieht, wenn ich mir Zeit nehme, um mit mir zu reden? Ich meine richtig, von Aug zu Aug, von Herz zu Herz.

Also gut, ich bin mutig. Bei der nächsten Begegnung lasse ich sie nicht mehr entwischen, ich will sie kennen lernen.

Ich glaube… ich mag sie…..trotzallem…..

Bild im Bild

Bild im Bild

Das Bild im Bild.
So einfach ist das. Ein Papier, ein Rahmen und ich.

Zuerst war nur das Papier. Dann kam die Farbe. Langsam breitete sie sich aus.
Was willst du? Was machst du da?
Irgendwie ist alles ein wenig ziellos. Ja, ausufernd. So geht das nicht. Ein Rahmen muss her, dem Ganzen Struktur geben. Schnell noch mehr Farbe.
Ach nein, nun ist die Leere da. Eine strukturierte Leere, ach nein.

Woher kenne ich das nur?
Hilfe, ich verirre mich!
Da ist einfach nichts. Soll ich so tun, als wäre da etwas, oder kann ich das Nichts aushalten?

Gibt es das, ein leeres Bild?
Nichts sagen, nichts aussagen.
Wen interessiert das?

Ich habe es gewusst. Du hälst es nicht aus.
Ein Strich in der Landschaft, und darauf gehe ich.
Ich sehe dich, ich höre dich, ich schaue dir zu und ja, ich höre dir auch zu.
Ich bin aus dem Nichts geboren worden und interessiere mich für dich.

Komm, erzähle mir deine Geschichte. Sie hat noch Platz auf diesem Papier, in diesem Rahmen und ………. mit mir!

unzählig

unzählig

Kreise ziehen, von einem zum anderen.

Kannst du mir das erklären?

Es war einmal ein Mensch. Er war nicht allein. Es waren unzählige Menschen um ihn, sichbare und unsichtbare.

Eines Tages machte dieser Mensch einen Sprung. Nicht in die Weite, in die Höhe. Er wollte dem Faden ausweichen, der geradewegs auf seine Füsse zuschlängelte. Nicht von vorn, von der Seite kam er und der Mensch wusste genau: Das hat Folgen. An diesem Faden hängen unzählige Geschichten und, wenn er sich auf den Faden einlässt, ist er eine davon.

Uff! Geschafft! Der Mensch konnte mit seinem Sprung dem Faden gerade noch rechtzeitig ausweichen.
Wie im Film zog nun Gelachtes, Geheultes, Gefreutes, Gekrachtes, Geheiltes und Geliebtes an ihm vorbei.
Glücklich da zuschauen zu dürfen und nicht verstrickt zu sein, setzte sich der Mensch auf einen Stuhl, verschränkte die Arme und schlug die Beine übereinander. Ja, er schmunzelte zufrieden vor sich hin.

Aber was war das? Beim Schweifenlassen seines Blickes blieb er an seinem Schuh hängen. Sein Schnürsenkel wurde immer länger und länger und ……..

Er hörte Lachen und Weinen, Flüstern und Streiten, Summen und Schmatzen, Kreischen und Lieben. Und der Mensch …….

……. war Teil dieser Geschichte.

glaub‘ ich nicht

glaub ich nicht

Ich bin allein und das ist gut so.

Ich schwebe durchs Weltall und schaue. Nein, ich warte. Ich warte darauf, dass mich jemand sieht. Ich bin doch spannend mit meinem roten Punkt und der kecken Linie, die aussieht wie ein Hut. Und beim genaueren Hinschauen sieht man meine Gefühle: zarte, lebendige, wilde, tiefe aber auch oberflächliche Gefühle – Gefühle halt.

Also, ich schwebe, ich fliege, ich drehe mich im Kreis, und alle Antennen sind auf Empfang ausgerichtet.

Ich sehe ganz viel. Und ganz viele. Ja, ich gebe zu, ich bin nicht allein. Ich habe einfach alle weggelassen. Aber dieser Trick funktioniert, glaub‘ ich, nicht.

Du siehst ein wenig müde aus.
Was?
Bist du schon lange so?
Wie?
So angestrengt.
Bin ich das?
Weiss nicht.
Ach, lass mich in Ruhe, ich will alleine sein!
So siehst du auch aus, glaub‘ ich dir aber nicht.
Geh weg!
Bin auf dem Weg.
Niemand mag mich, dabei bin ich doch etwas Besonderes.

Eben.

Da!

Da!

Wer weiss, sage ich da nur, wer weiss.

Da liegt man im Bett und sollte schlafen, aber da kann man noch lange sollen oder wollen, es nützt nichts, es geht nicht.
So beginnt sich das Denkrad zu drehen und es werden jede Menge Wortbildmalereien ausgeschüttet. Man dreht sich von einer Seite zur anderen, vom Bauch auf den Rücken, sucht nach Mittelchen und Wegen, die zur Schwelle ins Schlafland führen.

Da! Ich sehe sie! Ich beginne zu laufen, um endlich, endlich die erlösende Ruhe zu erleben.
Erleben? Was erlebe ich da eigentlich auf der anderen Seite? Was mache ich, wenn ich schlafe?

Und schon ist mein Geist wieder wach.
Nein! Ich will nicht mehr denken! Still! Still! Ruhe da oben, ich will endlich Ruhe!

Mmm, laa, na, na, naa, joo, liduli, dooooo, la ………. na, na, naaa …………

Leise, dann immer lauter beginne ich Erfundenes zu singen. Es klingt kreuzfalsch, hat keinen Inhalt. Ich will einfach das Geschwätz, die wenns und abers, die Bilder im Sekundentakt übertönen. Jetzt nehme ich sogar noch die Hände, dann auch die Arme dazu und singe eine Einschlafarie im Liegen aus voller Kehle.

Da! Ich breche erschreckt meine für mich überzeugende, bühnenreife Show ab. Jemand hat sich auf meine Bettkante gesetzt. Ich sehe eine dunkle Silhouette und dann …….
Määääääuuu!

Es ist hell draussen. Ich höre Vögel zwitschern und ein regelmässiges Quietschen. Die Katze schläft tief und fest am Fussende meines Bettes.

Traum oder Wirklichkeit?