Es war einmal….

Es war einmal eine Frau mit einem Geweih auf dem Kopf, die lebte in einem Baum. Eigentlich sass sie auf einem Baum, aber weil sie ihn nie verliess und sie mit diesem Pflanzenriesen wie verwachsen war, kann ich dir sagen, dass sie im Baum wohnte.

Die Frau mit dem Geweih auf dem Kopf kümmerte sich mit all ihrer Liebe und der Freude, die sie in sich spürte, um den Baum. Und er wiederum schenkte ihr Nahrung. Es war ein harmonisches Geben und Nehmen und so überstanden sie alle Jahreszeiten samt den Stürmen und lebten viele, viele Jahre, ja Jahrhunderte miteinander.

Am meisten freuten sie sich über Besuch. Da setzten sich Eichhörnchen, Käfer, Feen, Zwerge und Elben zu ihnen. Auch ein Efeu suchte sich einen Weg dem Stamm entlang nach oben, weil es unbedingt einen Schwatz mit der Frau mit dem Geweih auf dem Kopf halten wollte. Ja es war ein stetiges Kommen und Gehen.

Besonders die Vögel liessen sich gern auf einem Ast nieder und brachten Geschichten aus der weiten Welt. Ihnen zu lauschen, liebte die Frau mit dem Geweih auf dem Kopf über alles. Sie malte sich die Welt ausserhalb des Waldes mit ihrer ganzen Fantasie aus. Und dann erzählte sie die Geschichten jenen weiter, die zu Besuch kamen und jedesmal klang es so, als wäre sie selber dort gewesen.

Es sprach sich herum, dass diese Baumfrau mit dem Geweih auf dem Kopf Geschichten aus aller Welt erzählt, und so kamen Besucher von überall her.

Eines Nachts, es war gerade Neumond und darum im Wald besonders dunkel, wurde die Frau mit dem Geweih auf dem Kopf von einem Geräusch aufgeweckt. Sie schlief für gewöhnlich in einer moosbedeckten Armbeuge des Baumes. Sie setzte sich auf, aber sie sah nichts, eben, es war einfach mondlos dunkel. NIcht einmal Sterne funkelten, wo waren sie nur?

Darum musste sie sich auf ihr Hinhorchen und Wahrnehmen verlassen. Ist da jemand? Sie bekam keine Antwort, aber ein kalter Wind blies ihr entgegen. Sie begann zu frieren und und ihr Herz wurde schwer.

Da war eine eisige Kälte, die sie umhüllte und die sich nicht mehr abschütteln liess.

Schnell, steh auf, nun ist die Zeit gekommen! sagte der Baum auf einmal laut und deutlich. Du kannst reden? fragte die Frau mit dem Geweih auf dem Kopf. Ja, schon immer, aber bis jetzt war es nicht nötig.

Oh, wie schön! Also, ich stehe und jetzt?

Halte dich mit einer Hand an mir fest und die andere streckst du weit von dir weg. Spüre mit deinen Füssen den Ast und stehe gut verankert da. Denk nicht mehr an die Kälte, sondern vertraue dem Moment. Und jetzt gehts los!

Aus den Wurzeln des Baumes begann es zu rütteln und zu schütteln. Immer mehr, immer heftiger, als wäre der Baum selber ein Sturm. Es krachte und alte Äste fielen zu Boden. Es war laut, sehr laut und dunkel.

Die Frau mit dem Geweih auf dem Kopf hielt sich tapfer, obwohl ihr Herz bis zum Hals schlug und die Kälte sie steif machte. Auf einmal spürte sie, wie sich etwas auf ihre ausgestreckte Hand setzte und leuchtete. Eine kleine Elbenfrau kraxelte ihrem Arm entlang und setze sich auf ihre Schulter. Und überall, wo sie war, liess sie Wärme durch den Körper der Frau mit dem Geweih auf dem Kopf strömen.

Dieses kleine Elbenlicht brachte so viel Kraft! Der Baum rüttelte immer stärker, aber die kleine Elbe turnte an der Frau mit dem Geweih auf dem Kopf unaufhaltsam herum, so dass sich langsam wieder die Wärme in ihr ausbreitete und sie lachen musste, weil es so lustig war. Und nicht nur das, es keimte eine nie gekannte Kraft in ihr drin, so dass sie sich gut auf dem stürmischen Baum halten konnte!

Die Äste bogen sich nun auseinander. Ja, diese alten, knorrigen Äste konnten sich bewegen! Und aus der Mitte des Stammes zwängte sich etwas Rundes hervor. Ist das der Mond, der da wieder geboren wird?

Wieder krachten alte Äste mit lautem Getöse zu Boden und andere ächzten und stöhnten so laut, dass es Angst machte.

Auf einmal wurde es still. Da noch ein Knacken, dort ein leises Ächzen, aber sonst war es ganz ruhig. Nichts bewegte sich mehr, aber überall lagen Äste, Zweige und Moos herum, es war ein riesen Durcheinander. Die Frau mit dem Geweih auf dem Kopf schaute mit wildpochendem Herzen in das helle, wissende Gesicht der Elbe und diese zeigte mit ihrem kleinen Zeigefinger nach oben. Beide hoben den Blick und sahen……

…… eine riesige Rahmentrommel. Bespannt mit einer kristallinen Haut, gehalten vom Holz des Baumes.

Spiel! befahl der Baum. Sorgfältig legte die Frau mit dem Geweih auf dem Kopf ihre Finger auf die kristalline Haut und es begann augenblicklich zu klingen. Sie konnte damit nicht aufhören, bis der Himmel langsam hell wurde und die Vögel miteinstimmten. Ein wunder…volles Konzert klang durch den Wald. Und noch lange, lange lag der Klang in der Luft, obwohl die Frau mit dem Geweih auf dem Kopf gar nicht mehr spielte.

Der Baum sah nun ganz anders aus, denn in der Krone trug er, statt der Äste, eine wundersame Trommel.

Viele hundert Jahre war der Baum wortlos, nun trägt er eine Stimme in seinen knorrigen, alten Ästen. Eine Stimme, die aus den Wurzeln heraufklingt und von der Erde erzählt. Und eine Stimme, die aus den Räumen zwischen den Sternen zu ihm schwingt und von der kristallinen Haut empfangen wird.

Und die kleine Elbe? Sie blieb bei der Frau mit dem Geweih auf dem Kopf und dem Baum und verwandelte sich von Zeit zu Zeit in Sternenstaub, denn von den Sternen kam sie einmal her. So brachte sie die Trommel samt ihren Geschichten zum Leuchten.

Nun waren sie zu viert. Der Baum, die Frau mit dem Geweih auf dem Kopf, die Elbe und die Trommel, und sie liebten Besuch. Sie kümmerten sich liebevoll umeinander, denn sie wussten, sie alle waren wertvoll.

Und darum, wenn du, liebe:r Leser:in in deinem inneren Wald spazieren gehst, könnte es sein, dass du auf ein riesen Durcheinander triffst oder dass es dunkel wird oder gar stürmt. Setz dich hin und erspüre mit deinen Füssen die Erde, spüre die Verbundenheit mit ihr. Schliesse die Augen und atme mit allem, was ist.

Vielleicht vernimmst du auf einmal kristalline Klänge aus deinem inneren Lebensbaum. Dann schau nach oben und staune, was siehst du? Eine Frau mit einem Geweih auf dem Kopf, die dir von der Erde und dem Himmel erzählt und die dich an deine wahren Gaben erinnert? Oder du freust dich einfach über den Sternenstaub, der in der Sonne glitzert? Halte inne, denn du bist gemeint und willkommen……… zu lauschen, dich zu wundern, zu leben, zu lieben und zu leuchten mit all deinen Gaben.

Ja, Gaben, jede:r von uns hat sie! Doch haben wir auch den Mut, sie zu zeigen? Oder gar darüber zu reden? Hm. Schau in meine Homepage, http://weltenwind.ch unter Aktuelles findest du ein lustiges Gespräch mit Petra. Sie ist Kundalini Yogalehrerin und so inspirierend!

Ich grüsse dich von Herzen fest und danke dir, dass du dieses Märchen gelesen hast. Ich klatsche in die Hände und verteile Sternenstaub vor Freude! DANKE!! Und ich freue mich über deine Gaben!

Iris